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Artikel

Die Bedeutung der Anlagestrategie für eine Pensionskasse

13. Februar 2026

Aufgrund des starken Einflusses der Verzinsung der Spareinlagen auf die Altersrente müssen Pensionskassen auf eine optimale Nutzung des Risikobudgets und der erzielten Performance achten.

In der Schweiz spielt die berufliche Vorsorge (2. Säule) eine zentrale Rolle für die Aufrechterhaltung des Lebensstandards im Ruhestand. Für viele Versicherte hängt ein erheblicher Teil ihres Einkommens im Ruhestand direkt von den Ersparnissen ab, die sie während ihres gesamten Erwerbslebens durch Beitragszahlungen und die jährlich von der Pensionskasse gutgeschriebenen Zinsen angesammelt haben.

Laut unserer jüngsten Studie über SLI-Unternehmen führt ein zusätzlicher Zins von 1 % pro Jahr zu einer durchschnittlich zwei- bis dreimal höheren Altersrente als eine Beitragserhöhung von 1 %, bezogen auf das letzte Gehalt.

Dieser gutgeschriebene Zinssatz hängt zum größten Teil von der Performance der Pensionskassen ab, aber auch von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Ausschüttung und Sicherheit. Die Arbeitnehmer haben daher ein großes Interesse daran, dass ihre Pensionskasse einen effizienten Anlageansatz verfolgt, sowohl in Bezug auf die Rendite als auch auf das Risikomanagement.

Neben den Herausforderungen der steigenden Lebenserwartung stehen Pensionskassen vor einem Umfeld, das durch einen SNB-Leitzins von 0 Prozent und niedrige langfristige Renditen für hochwertige Schuldpapiere in Schweizer Franken geprägt ist, wie etwa Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Um die Verzinsung der Ersparnisse zu sichern oder sogar zu steigern, müssen Pensionskassen ihre Risikobereitschaft innerhalb der Anlagestrategie optimieren. Dies erfordert eine effiziente Allokation zwischen verschiedenen Renditequellen wie Fremdwährungsanleihen, Krediten, Aktien, Immobilien und alternativen Anlagen, wobei gleichzeitig die Risikofähigkeit gewahrt und Sicherheitsmechanismen angepasst werden müssen.

Dieser Ansatz ist umso anspruchsvoller, als das aktuelle Umfeld sowohl in wirtschaftlicher, geopolitischer und demografischer als auch in klimatischer Hinsicht weiterhin unsicher ist. Für die Pensionskassen ist es daher unerlässlich, insbesondere im Rahmen einer ALM-Studie (Analyse der Kongruenz zwischen Verbindlichkeiten und Anlagestrategie) zu überprüfen:

  1. ob das eingegangene Risiko angemessen ist;
  2. ob die erwartete Performance im Hinblick auf das eingegangene Risiko optimal ist;
  3. ob die erzielte Performance effizient genutzt wird.
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    Angemessenes Risikoniveau

    Das Risikoniveau muss im Hinblick auf seine Auswirkungen auf den Deckungsgrad in ungünstigen Szenarien sorgfältig bewertet werden. Eine negative Performance kann zu einer Unterdeckung führen, bei der die Verpflichtungen nicht vollständig durch das vorhandene Vermögen gedeckt sind. Aufgrund des langen Anlagehorizonts ist eine vorübergehende Unterdeckung jedoch nicht schädlich, sofern die Pensionskasse innerhalb eines bestimmten Zeitraums wieder das finanzielle Gleichgewicht erreicht. Es ist daher sinnvoll, eine gewisse Toleranz für Unterdeckungen zuzulassen. Diese Toleranzmarge ermöglicht es, in einer ALM-Studie Anlagestrategien zu berücksichtigen, die eine höhere erwartete Rendite und damit eine bessere Verzinsung bieten, während gleichzeitig das Ausmaß potenzieller Sanierungsmaßnahmen begrenzt wird.


Diagramm des WTW‑Risk Compass, das zeigt, wie sich erwartete Rendite und Volatilität entlang der Effizienzgrenze entwickeln.
WTW‑Risk Compass

In der Praxis hängt das für jede Pensionskasse tolerierbare Unterdeckungsniveau insbesondere vom Renditebedarf, den für die Versicherten und den Arbeitgeber tragbaren Massnahmen sowie der maximalen Frist für die Wiederherstellung des Gleichgewichts ab. Da diese Faktoren zahlreich und miteinander verknüpft sind, haben wir das Tool Risk Compass (siehe Abb. 1) entwickelt, das sie in einem einzigen Indikator zusammenfasst. Der Stiftungsrat kann so ein Risikobudget festlegen, indem er den besten Kompromiss zwischen der Höhe der potenziellen Unterdeckung und dem Leistungsziel, unter anderem die Verzinsung, findet.

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    Optimale Nutzung des Risikobudgets

    In einem zweiten Schritt muss sich die Kasse prüfen, wie dieses Risikobudget optimal eingesetzt werden kann. Neben quantitativen Aspekten wie den Rendite- und Risikoerwartungen aus unserem Global Asset Model (GAM) sind auch qualitative Aspekte wie Liquidität, Komplexität, Nachhaltigkeit und Kosten entsprechend den Überzeugungen und Prioritäten des Stiftungsrats zu berücksichtigen. Im Kontext des weltweit zunehmenden «Total Portfolio Approach», der eine integrierten Sichtweise des Portfolios verfolgt, haben wir einen synthetischen Indikator entwickelt, der Portfolio Quality Score (siehe Abb. 2). Dieser kombiniert mehrere Dimensionen und erleichtert den Vergleich verschiedener Anlagestrategien anhand der für die Pensionskasse relevantesten Kriterien.

    Das Ziel besteht darin, sicherzustellen, dass die gewählte Allokation mithilfe eines kohärenten, effizienten und robusten Portfolios umgesetzt werden kann.


Radar‑Chart, das die aktuelle und eine alternative Anlagestrategie anhand des Portfolio Quality Score vergleicht.
Vergleich des Portfolio Quality Score
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    Effizientes Leistungsmanagement

    Die Verwendung der jährlich von der Pensionskasse erzielten Performance hängt in erster Linie von ihrer Ausschüttungspolitik ab. Diese legt fest, wie die erzielte Performance zwischen der Leistungsverbesserung (z.B. Verzinsung) und der Auffüllung der Reserve aufgeteilt wird, um mögliche zukünftige Verluste auszugleichen. Sie orientiert sich an der Bereitschaft oder Notwendigkeit, eine Unterdeckung zu begrenzen, die Sanierungsmaßnahmen erforderlich machen könnte.

    Die Ausschüttungspolitik ist ein zentrales Steuerungsinstrument des Stiftungsrats. Sie ermöglicht ihm, jährlich den den aktiven Versicherten gutgeschriebenen Zinssatz sowie gegebenenfalls Indexierungen oder Rentenboni für Rentner festzulegen – und dabei eine langfristige Perspektive im Hinblick auf die Leistungs- und Finanzziele der Pensionskasse zu wahren.


Fazit

Die Vermögenswerte der zweiten Säule belaufen sich heute auf über 1’200 Milliarden Franken. Die Sensitivität der angesparten Guthaben gegenüber dem gutgeschriebenen Zinssatz ist deutlich höher als gegenüber den eingezahlten Beiträgen, was die Bedeutung einer effizienten Anlagestrategie zusätzlich unterstreicht.

In diesem Zusammenhang ist eine ALM-Studie unverzichtbar, um den Zinssatz zu ermitteln, den die Pensionskasse unter Berücksichtigung verschiedener strategischer Allokationen realistisch erwarten kann. Sie dient außerdem dazu, die Ausschüttungspolitik auf ihre Übereinstimmung mit den Zielen des Stiftungsrats zu prüfen.

Für Mitglieder des Stiftungsrats ist es entscheidend, sich auf einen rigorosen Ansatz und ein verlässliches Instrument stützen zu können, das diese Validierung ermöglicht und gleichzeitig die zahlreichen weiteren Parameter berücksichtigt, die bei der Wahl der Anlagestrategie relevant sind. Eine ALM-Studie sollte daher ein Syntheseinstrument enthalten, das quantitative und qualitative Aspekte integriert, um eine klare Priorisierung der in Betracht gezogenen Strategien zu ermöglichen.

Auf diese Weise kann die Pensionskasse eine solide strategische Allokation definieren und umsetzen, die ihren Zielen und Überzeugungen entspricht und gleichzeitig die Interessen der Versicherten wahrt.

Ihre Kontakte


Sébastien Brocard
Head ALM

Head Investment Romandie

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