Mit Hauptinhalt fortfahren
Choose your location
Select the location and the language that you prefer

main content, press tab to continue

Das Altersvorsorgedepot: eine unterschätzte Chance für Arbeitgeber

Das Altersvorsorgedepot bringt private Vorsorge in die Benefits-Welt der Unternehmen – schnell, einfach und mit Vorteilen für die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden

Autor

Hanne Borst und
Michael Tiefenbach
23. Oktober 2026

Auf einen Blick

  • Die gesetzliche Rente allein wird oft nicht ausreichen. Das Altersvorsorgedepot ergänzt die betriebliche und private Vorsorge sinnvoll.
  • Dank staatlicher Förderung, Flexibilität und reduzierter Garantievorgaben bietet das Altersvorsorgedepot attraktive Perspektiven.
  • Als Teil der Benefits-Strategie unterstützt das Altersvorsorgedepot Mitarbeitende bei der langfristigen finanziellen Absicherung.
  • Arbeitgeber können das Angebot ohne klassische bAV-Haftungsrisiken fördern und gleichzeitig Attraktivität sowie Loyalität erhöhen.

Die reale Versorgungslücke

Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat in ihrem Ergebnisbericht eine Nettoersatzquote von 70 Prozent als Zielgröße für ein angemessenes Versorgungsniveau im Alter vorgeschlagen. Auf den ersten Blick klingt das nach einer technischen Kennzahl aus der Rentenpolitik. Auf den zweiten Blick ist es ein deutliches Signal: Die gesetzliche Rente allein wird für die meisten Beschäftigten trotz der geplanten Reformen nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu halten. Die Versorgungslücke ist real, sie betrifft breite Teile der Belegschaft über alle Einkommensgruppen hinweg, und sie wird, ohne zusätzliche betriebliche und private Vorsorge, kaum zu schließen sein. Arbeitgeber rücken somit bei einem säulenübergreifenden Altersversorgungskonzept immer stärker in den Fokus.

Attraktive Renditen ohne Garantiekorsett

Mit dem Altersvorsorgedepot hat der Gesetzgeber ein attraktives steuerlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt in der dritten Säule, der privaten Altersversorgung, geschaffen. Es ist ein Verzicht auf Garantien möglich, die Kosten sind im Standardprodukt gedeckelt und auch die Auszahlungsphase lässt Flexibilität zu. Ohne die Kosten und Restriktionen klassischer Garantieprodukte kann das eingezahlte Kapital deutlich breiter und renditeorientierter am Kapitalmarkt investiert werden. Gerade für jüngere Beschäftigte mit langem Anlagehorizont eröffnet das erhebliche Chancen, die vorhandene Versorgungslücke tatsächlich spürbar zu verkleinern.

Beispiel zur Attraktivität der staatliche Förderung

Attraktive Förderung für Familien
Bruttoeinkommen 85.000 €* Förderung
„0 Kinder“
Förderung
„2 Kinder“
Eigenbeitrag: 1.800 € 1.800 €
Grundzulage: 540 € 540 €
Kinderzulage 0 € 600 €
Summe Zulagen 540 € 1.140 €
Gesamtbeitrag 2.340 € 2.940 €
Günstigerprüfung    
Gesamtbeitrag x Steuersatz (s = 42 %) 983 € 1.235 €
zusätzliche Steuererstattung 443 € 95 €
Gesamte Förderung 983 € 1.235 €
Förderquote 55 % 69 %
 

Vertrauen nutzen, Belegschaften in der Breite erreichen

Vorsorgelösungen von Arbeitgebern genießen bei ihren Mitarbeitenden häufig einen Vertrauensvorschuss, den einzelne Finanzprodukte am freien Markt nicht gleichermaßen erhalten. Wird das Altersvorsorgedepot über den Arbeitgeber angeboten, lassen sich damit auch Beschäftigtengruppen erreichen, die sich sonst nie aktiv mit privater Altersvorsorge beschäftigen würden – etwa, weil ihnen die Zeit, das Vertrauen in Finanzprodukte oder schlicht der Anstoß fehlt. Der Arbeitgeber wird so zum Türöffner für eine Vorsorgeform, die sonst ungenutzt bliebe.

Versorgungslücken gesamthaft im Blick

Moderne Mitarbeiterportale machen es möglich, die individuelle Versorgungssituation ganzheitlich darzustellen: Gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung (bAV) und private Vorsorge werden in einer Gesamtschau sichtbar. Für die Beschäftigten entsteht damit erstmals ein realistisches Bild ihrer tatsächlichen Versorgungslücke und dadurch ein konkreter Anknüpfungspunkt, aktiv zu werden. Für Arbeitgeber bedeutet das: Sie können ihre Belegschaft informieren und sensibilisieren, ohne selbst beraten zu müssen.

Tippgeber statt Berater

Ein zentraler Pluspunkt des Altersvorsorgedepots liegt in der klaren Rollenverteilung. Arbeitgeber können als reine Tippgeber auftreten und auf das Produkt hinweisen, ohne selbst arbeitsrechtliche Verpflichtungen einzugehen, wie sie etwa bei der klassischen bAV entstehen können. Beratung und Umsetzung bleiben bei spezialisierten Partnern. Auch das Thema Portabilität lässt sich so elegant lösen. Der Vertrag verbleibt bei einem Arbeitgeberwechsel beim Arbeitnehmer. Für Unternehmen, die bislang vor dem administrativen und rechtlichen Aufwand klassischer bAV-Lösungen zurückgeschreckt sind, senkt das die Einstiegshürde erheblich.

Mitarbeiterbindung und Wohlbefinden als Nebeneffekt

Sorgen um die eigene Altersvorsorge sind nicht nur ein privates Thema. Sie wirken sich nachweislich auch auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz aus. Wer sich finanziell unsicher fühlt, ist weniger konzentriert, häufiger gestresst und im Schnitt weniger produktiv. Ein Arbeitgeber, der seine Mitarbeitenden hier sichtbar unterstützt, adressiert also nicht nur ein „Nice-to-have“, sondern das Thema Wohlbefinden seiner Belegschaft. Gleichzeitig zahlt ein solches Angebot unmittelbar auf die Mitarbeiterbindung ein: Es zeigt Wertschätzung, wird als konkreter Vorteil wahrgenommen und hebt sich von austauschbaren Standard-Benefits ab.

Vorteile für alle Seiten

Die von der Alterssicherungskommission vorgeschlagene Nettoersatzquote von 70 Prozent macht deutlich, wie groß die Versorgungslücken vieler Beschäftigter tatsächlich sind. Das Altersvorsorgedepot bietet Arbeitgebern eine unkomplizierte Möglichkeit, hier anzusetzen: renditestark, technologisch unterstützt, ohne zusätzliche Haftungsrisiken und mit spürbarem Effekt auf Mitarbeiterbindung und Wohlbefinden. Wer jetzt handelt, positioniert sich nicht nur als verantwortungsvoller Arbeitgeber, sondern verschafft sich auch im Wettbewerb um Talente einen klaren Vorteil.

Autoren

Hanne Borst, Head of Retirement Germany/Austria

Hanne Borst

Head of Retirement Germany/Austria

Michael Tiefenbach, Director Retirement, Pension Brokerage

Michael Tiefenbach

Director Retirement, Pension Brokerage

Aktuelle Themen und Trends

Benefits Perspectives

Benefits Perspectives berichtet regelmäßig über Trends, Best Practices sowie Änderungen der Rahmenbedingungen für die bAV und weitere Benefits.