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Artikel | Benefits Perspectives

Weltweit wachsen Pension Assets doppelt so schnell – was Unternehmen in Deutschland daraus lernen können

Von Nikolaus Schmidt-Narischkin | 19. März 2026

Globale DC-Pläne setzen auf Diversifikation, Illiquidität und Aktienquoten jenseits der 60 %. Damit Sozialpartnermodelle und Direktzusagen mithalten können, müssen traditionelle Anlagepfade hinterfragt werden.

Im Februar dieses Jahres erschien die aktuelle „Global Pension Assets-Studie“ des von WTW ins Leben gerufenen Thinking Ahead Instituts. Diese wies in 22 Ländern für Zusagen der betrieblichen Altersversorgung ein Planvermögen von ca. 68 Billionen US Dollar aus. Deutschland ist als eines der weltweit wichtigsten Industrieländer mit ca. 564 Milliarden Dollar dabei. Immerhin 0,9 % der gesamten Rückdeckungsmittel, die in etwa 11 % unseres Bruttoinlandsproduktes entsprechen.

Ist das gut? Kann man so sehen, oder so. Verfechter der externen Ausfinanzierung von Pensionsverbindlichkeiten werden den Standpunkt von Pensions Industries teilen: „Deutschland kocht hier auf ganz kleiner Flamme“.[1] Allein das Planvermögen Süd-Koreas ist in etwa doppelt so groß wie das, was unsereins vorhält. Unternehmen in Finnland halten Rückdeckungsmittel für die zweite Säule der Altersversorgung in der Größenordnung von deutlich oberhalb der Wirtschaftsleistung ihres Heimatlandes vor. Andererseits: In Deutschland dagegen gibt es keine Verpflichtung, Plan Assets zu bilden. Verbindlichkeiten aus der bAV lassen sich über die Bildung von Pensionsrückstellungen vollumfänglich über die Bilanz decken. Die Vorteilhaftigkeit eines separierten Deckungsvermögens liegt im Auge des Beschauers: erzielt ein Plansponsor eine auskömmliche Unternehmensrendite, so ist die Investition benötigter Mittel ins Kerngeschäft möglicherweise sinnvoller und rentierlicher als das Hoffen auf die Kapitalmärkte. So gesehen wäre Deutschland anders, aber nicht schlecht.

Woanders wächst man schneller

Interessanter dagegen zu lesen, wie schnell die „Pension Assets“ wo und auf Basis welcher Zusageform auf der Welt wachsen. Über alle 22 analysierten Länder hinweg betrug die Wachstumsrate im Durchschnitt der letzten 10 Jahre in etwa 6 % p.a. In Deutschland waren es ca. 3,3 %, in Australien dagegen 6,6 %, in den USA 7,7 %. Woher rührt der Unterschied? Die Frage lässt sich mit einem Blick auf den Verbreitungsgrad unterschiedlicher Zusageformen und den diese bedienenden Anlagestrategien beantworten: in Staaten wie Australien oder den USA beherrschen reine Beitragszusagen (DC) die bAV-Landschaft (90 % bzw. 72 %). Ihre Pläne geben sich nicht nur kapitalmarktorientiert in ihrem Design, sie investieren auch so. In Australien bestehen ca. 55 % der Plan Assets aus Aktien, in den USA immerhin 52 %, die Quote in beiden Ländern ist – auch dies symptomatisch für DC – rückläufig zu Gunsten anderer Anlageformen mit hohen Renditen auf das eingesetzte Vermögen. Als Konsequenz der über längere Zeit überwiegend positiv performenden Märkte sind es „DC-Assets“, die während der letzten 10 Jahre um fast 9,5 % p.a. wuchsen, „DB“ mit dem Fokus ihrer Anlagestrategien auf zinstragende Titel um 3,2 %.

Es würde den Plansponsoren und den Verantwortlichen für die Kapitalanlage von Beitragszusagen nicht gerecht, wenn man das Ergebnis und ihm zugrunde liegende Unterschiede achselzuckend auf ein „sie investieren eben aggressiver als ihre Counterparts bei Leistungs- und beitragsorientierten Zusagen…“ reduzieren würde. Dies zeigt ein Blick auf die Global DC Peer Study des Thinking Ahead Instituts. Im Kontext dieser Studie wurden im vergangenen Jahr 20 der weltweit größten DC-Organisationen aus Nordamerika, Asien und Europa nach ihrer strategischen Ausrichtung, ihren systemischen Herausforderungen und Verbesserungsansätzen befragt.

…, nicht weil man will, sondern weil man muss

60 % von ihnen benannten das Thema nicht mehr hinreichender Ruhestandseinkommen als die größte Herausforderung während der kommenden 10 Jahre. Ein Schelm, der hier zuerst an Deutschland denkt. Als kritisch wird die Situation vor allem dort erachtet, wo (häufig niedrige) Beiträge im Kontext eines „auto-enrollments“ fälschlicherweise als genügend verstanden werden. Es ist also – anders als in Deutschland, wo der Fokus vor dem Hintergrund vermeintlich sicherer Haltelinien in einer auskömmlichen gesetzlichen Rentenversicherung vorrangig auf dem Grad der Abdeckung durch die bAV oder der Anzahl aktiver Anwartschaften (in Deutschland rd. 20,9 Mio[2]) liegt - vielmehr die Versorgungsadäquanz, die den Befragten Anlass zu Sorge gibt.

Aus den Beiträgen, die man erhält, das Beste machen: getrieben von diesem Erfordernis reagieren Verantwortliche vor allem im Hinblick auf die Investmentstrategien ihrer Pläne. Sie hinterfragen klassische Lebenszyklusmodelle als Garanten einer angeblich altersadäquate Portfolioallokation, die die Schwankungsbreite der Anlagen auf individuellen Versorgungskonten systematisch reduziert. Aktuelle Lifecycles, so die Studienteilnehmer, wären in vielen Plänen nicht optimal auf die sich verändernde Risikotragfähigkeit der Planteilnehmer abgestimmt. Nicht nur investieren die Modelle in den Frühphasen einer Karriere potentialbeschränkend viel zu konservativ. Auch die Umschichtung z.G. risikoarmer Strategien im späteren Karriereverlauf würde im Verhältnis zum gesamten zeitlichen Anlagehorizont (einschließlich der Auszahlungsphase nach Renteneintritt) viel zu früh erfolgen und damit den Aufbau eines ausreichenden Kapitalstocks erheblich erschweren. Schließlich wirft man den eigenen peers vor, trotz einer verstärkten Nutzung von Illiquiditätsprämien (s.o.) das Renditepotenzial eines breit diversifizierten Anlageportfolios immer noch weitgehend ungenutzt zu lassen.

Erkenntnisse aus der globalen DC-Allokation

Dabei sind es tatsächlich diese Investoren bei denen sich in den letzten Jahren viel bewegt hat und weiterhin viel bewegt.

Bei diesen wirklich großen DC-Plänen - darunter keine deutsche Zusage - sind zwar weiterhin Aktien das zentrale Element im Portfolio für die Ansparphase und dominieren den Einsatz des Risikobudgets, aber die durchschnittliche Allokation von 63 % Aktien, 20 % alternativen Anlagen und nur noch 20 % Anleihen zeigt eine zunehmende Diversifikation und ist Beleg für die immer noch wachsende Investment-Kompetenz der Investoren.

Und wir in Deutschland?

Bleibt die Frage nach dem Wasserstand bei deutschen Plansponsoren. Optimistisch stimmt, dass es auch auf diesem Gebiet nicht der Erkenntnismangel ist, der uns im Weg steht. Die Politik hat verstanden, dass die bAV nicht nur unverändert ein Problem der flächendeckenden Verbreitung hat. Zu diesem kommt – nicht anders als in anderen Regionen der Welt - die absehbar nicht hinreichende Adäquanz der (in unserem Fall gesetzlichen) Altersversorgung, die es durch attraktiv ausgestaltete und performante Zusagen auf Unternehmensebene zu unterfüttern gilt. Das Bemühen um das Sozialpartnermodell / die reine Beitragszusage, die – ihrem Wesen zufolge garantiebefreit – chancenorientiert investieren kann, ist Ausweis dieser Erkenntnis.

Nachvollziehbar ist auch, dass die Anlagepolitik einer deutschen Beitragszusage mit Mindestleistung als bisherigem Goldstandard der Beitragsorientierung mit der eines US-amerikanischen 401(k)-Plans nicht vergleichbar ist. Wenn es der Arbeitgeber ist, der bei uns schlussendlich die Auszahlung wenigstens geleisteter Beiträge zu garantieren hat, kann man diesem kein Anlageverhalten abverlangen, bei dem die Chancen beim Arbeitnehmer liegen, das Risiko aber in großen Teilen beim Plansponsor. Deutschland ist bei aller zunehmenden Beitragsorientierung der zurückliegenden 25 Jahre – nicht anders als Japan (95 % DB, 51 % der Plan Assets in Bonds, 2,4 % Wachstum der Plan Assets über 10 Jahre) oder die Niederlande (93 % DB, 43 % Bonds, 4.2 % Wachstum) - immer noch ein „DB-Land“.

Aufzupassen gilt es bei den neuen Sozialpartnermodellen. Wenn diese heute – obschon befreit von der Verpflichtung zur Beitragsgarantie und kollektiv investierend – deutlich konservativer und weniger diversifiziert investieren, als ihre DC-Peers mit dem, was wir heute als best practice verstehen, dann gilt es zu fragen, warum? Die Tatsache, dass diese in ihrer Anlagepolitik i.d.R. Aufzupassen gilt es bei den neuen Sozialpartnermodellen. Wenn diese heute – obschon befreit von der Verpflichtung zur Beitragsgarantie und kollektiv investierend – deutlich konservativer und weniger diversifiziert investieren, als ihre DC-Peers mit dem, was wir heute als best practice verstehen, dann gilt es zu fragen, warum? Die Tatsache, dass diese in ihrer Anlagepolitik i.d.R. der Pensionsfonds- Aufsichtsverordnung (PFAV) unterliegen, bietet allenfalls in Ansätzen eine Erklärung. Die PFAV bietet als in wesentlichen Teilen qualitativ reguliertes Regime hinlänglich Freiräume für Investments im Sinne des oben abgebildeten Vorbilds. Und ja, es kann gut sein, dass Verantwortliche unter dem Eindruck stehen, dass insbesondere illiquide Assetklassen für kleinere, im Wachstum begriffene Pläne schwer investierbar sind. Diesem Eindruck ist zu widersprechen. Vor allem die DC-Märkte jenseits des Ärmelkanals haben dafür gesorgt, dass es zwischenzeitlich ein breites Angebot attraktiver Private Markets-Strategien gibt, in die sich auch hier und in zunächst homöopathischen Dosen investieren lässt. Bleibt die Befürchtung, dass wir uns nicht trauen, gewohnte Pfade zu verlassen. Dies wäre aus Sicht unserer Begünstigten die allerschlechteste Erklärung.

Autor


Nikolaus Schmidt-Narischkin
Chief Commercial Officer,
Head of Growth D-A-CH

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