
Demografische Herausforderungen für Unternehmen
Die WTW Pulse Survey zeigt deutlich, dass Unternehmen aktuell vor zwei gegenläufigen demografischen Herausforderungen stehen:
- dem Erhalt von Leistungs- und Know-how-Trägern sowie
- der Transformation der Belegschaft, einschließlich Personalabbau und Neuausrichtung.
Beide Aspekte werden von der großen Mehrheit der Unternehmen gleichzeitig als relevant eingeschätzt. Der Ruhestandsübergang wird zunehmend nicht mehr als punktueller Austritt, sondern als eigenständige Phase wahrgenommen, die aktiv gestaltet werden muss.
Was sind Kombinationsmodelle für den Ruhestandsübergang?
Unter Kombinationsmodellen wird insbesondere die Verknüpfung von reduzierter Arbeitszeit mit Teilrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung verstanden – gegebenenfalls ergänzt um Zeitwertkonten oder betriebliche Teilrenten.
- Rund 70 % der Unternehmen sind der Auffassung, dass solche Modelle einen wirksamen Beitrag zur Bewältigung demografischer Herausforderungen leisten können.
- In der Praxis gibt rund ein Drittel der Unternehmen an, dass Kombinationsmodelle bereits verstärkt von Mitarbeitenden nachgefragt werden.
- Gleichzeitig berichten die Unternehmen von einem deutlich erhöhten Informations- und Abstimmungsbedarf bei den Mitarbeitenden.
Die Auswirkungen auf die Höhe der gesetzlichen und betrieblichen Versorgungsleistungen sind für die Mehrheit der Unternehmen und Mitarbeitenden ein zentrales Thema – insbesondere bei Arbeitszeitreduzierungen und Teilrentenbezug.
Betriebliche Altersversorgung (bAV) im Ruhestandsübergang
Die Studie zeigt, dass in vielen Unternehmen weiterhin ein traditionelles Verständnis der betrieblichen Altersversorgung (bAV) vorherrscht:
- In der großen Mehrheit der Unternehmen ist ein Bezug der bAV erst nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis vorgesehen.
- Möglichkeiten, bAV-Leistungen bereits während des fortbestehenden Arbeitsverhältnisses zu nutzen, sind bislang selten etabliert und werden nur begrenzt in Anspruch genommen.
Steigender Beratungsbedarf beim Ruhestandsübergang
Der Informations- und Beratungsbedarf rund um den Ruhestandsübergang nimmt spürbar zu:
- 66 % der Unternehmen berichten von einer steigenden Nachfrage nach Informationen zum Übergang in den Ruhestand.
- Die Beratung erfolgt überwiegend intern durch die HR-Abteilungen; externe Beratungsangebote spielen bislang eine geringere Rolle.
- Für die Zukunft erwarten die meisten Unternehmen einen weiter steigenden Beratungsbedarf, der durch interne Ressourcen nur teilweise abgedeckt werden kann.
Weiterbeschäftigung über die Regelaltersgrenze: Aktivrente und mehr
Ein relevanter Teil der Unternehmen beobachtet eine zunehmende Bedeutung der Weiterbeschäftigung über die Regelaltersgrenze hinaus:
- Rund ein Drittel der Unternehmen ergreift aktiv Maßnahmen, um ruhestandsnahe Mitarbeitende länger zu binden – etwa durch Aktivrente, Teilrente, Zeitwertkonten oder befristete Weiterbeschäftigung.
- Die Aktivrente ist im Markt angekommen; Erleichterungen bei befristeten Beschäftigungsverhältnissen werden jedoch vielfach als noch wirksamer eingeschätzt.
- Sowohl in der bAV als auch in der gesetzlichen Rentenversicherung sind bestehende Gestaltungsmöglichkeiten häufig noch nicht vollständig ausgeschöpft oder ausreichend bekannt.
Handlungsempfehlungen: Flexible Übergangsmodelle in die Praxis umsetzen
Der Gesetzgeber hat durch das BRSG II attraktive Rahmenbedingungen für flexible Übergangsmodelle geschaffen – unter anderem durch:
- den Wegfall von Hinzuverdienstgrenzen bei gesetzlichen Teilrenten,
- die Einführung der Aktivrente,
- neue Befristungsregelungen sowie
- die Möglichkeit, Zeitwertkonten mit gesetzlicher Teilrente zu kombinieren.
Diese Modelle bieten sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeitende neue Chancen, führen jedoch gleichzeitig zu einem deutlich steigenden Informations- und Beratungsbedarf. Eine strukturierte, verständliche und integrierte Begleitung des Ruhestandsübergangs wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

