Die „Deckungslücke“
Der Klimawandel hat ein Ausmaß angenommen, dem herkömmliche Risikomanagement-Verfahren nicht gewachsen sind. Finanzinstitute und andere Unternehmen, die klimabezogene Risiken am besten erkennen, messen und managen können, verfolgen in der Regel einen integrierten Ansatz, der Unternehmen mit ihren unterschiedlichen Bereichen als Ganzes umfasst.
Dabei kommt natürlich auch das Einmaleins des Risikomanagements ins Spiel. Risikomanager verfügen beispielsweise über wertvolle Erfahrungen mit Sachrisiken, die mit der Erwärmung der Erde, den veränderten Wetterbedingungen und dem Anstieg des Meeresspiegels wahrscheinlich zunehmen werden. Deckungslücken können jedoch entstehen, wenn ein Unternehmen keinen umfassenderen Ansatz verfolgt, der den verstärkten Einsatz von Risikoanalysen und -modellierung, Klimarisiko-Audits und Stresstests genauso beinhaltet wie ESG-basierte Vermögensanalyse- und Investitionsstrategien und deren Umsetzung sowie Talent- und Rewards-Strategien, die helfen, klimabezogene Unternehmensziele zu erreichen.
Technologieunternehmen können bei der Bewältigung des Klimawandels eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel ist Planet Labs Inc., das Mikrosatelliten, maschinelles Lernen und andere Technologien nutzt, um Überschwemmungsrisiken zu erkennen. In einer Demonstration, bei der etwa eine hochauflösende Satellitenkarte und maschinelles Lernen zum Einsatz kamen, ermittelte das Unternehmen, wo Gebäude in einer sich klimabedingt verändernden Welt besonders anfällig für Überschwemmungen wären. Planet Labs überlegt, wie dies zu neuen Formen von Mikroversicherungen, klimaresilienten Kommunalobligationen und anderen innovativen Finanzinstrumenten führen könnte.
Auch Big Data wird eine immer größere Rolle spielen. Wenn es ein Thema gibt, das die Auswertung enormer Datenmengen und neue Erkenntnisse im Schnittfeld von Wissenschaft und Finanzen erfordert, dann ist es der Klimawandel. Big Data und analytisches Know-how sind unerlässlich, um Finanzinstitute und Unternehmen bei der Entwicklung von Risiko- und Preisgestaltungsmodellen zu unterstützen. Es ist ein Monsterjob.
Es ist klar, dass Swiss Re, Munich Re und andere große Rückversicherer sich wissenschaftlich mit diesem Thema befassen, und andere Versicherer entscheiden jetzt generell darüber, was sie versichern und in was sie investieren wollen. Während einige Versicherer mit dieser Herausforderung zu kämpfen haben, sehen wir ihr Interesse, mehr über die Auswirkungen des Klimarisikos zu lernen; und sie beginnen, strategische Entscheidungen zu treffen, um ihr ESG-Profil zu managen.
Die besten Unternehmen – und die Mathematik beweist es – sind diejenigen, die ESG, Nachhaltigkeit und integrative Wirtschaftsmodelle ernst nehmen. Dies ist eindeutig der Weg – und vielleicht der einzige Weg –, um die künftigen Auswirkungen des Klimawandels auf Ihr Unternehmen zu verstehen. Wichtig ist, dass Sie dem Klimawandel, den ESG-Prinzipien und den Instrumenten, Strategien und Geschäftspartnern, die Sie für die Zukunftssicherung Ihres Unternehmens benötigen, Ihre Aufmerksamkeit schenken. Wenn Sie das nicht tun, werden andere an Ihnen vorbeirauschen.