Temperatur und Meeresspiegel steigen, Unwetterereignisse werden zerstörerischer und Dürreperioden länger: Der Klimawandel schreitet voran. Doch nicht alle Unternehmen sind sich der Risiken bewusst, die daraus für ihr Geschäft entstehen. Stakeholder aus Wirtschaft und Politik geben bereits die richtige Richtung vor. Doch wer sich langfristig erfolgreich aufstellen will, muss sich intrinsisch motivieren.
Viele Organisationen haben das Thema Klimawandel durchaus auf ihrer Agenda: Laut unseres ESG Global Risk Managers Survey aus 2022 geben mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten DACH-Manager an, über dokumentierte Klimaziele mit Vorgaben und Meilensteinen zu verfügen. Aber nur 45 Prozent (im Vergleich zu 68 Prozent weltweit) derjenigen, die Klimaziele dokumentieren, haben formale Ziele für längerfristige Klimarisiken und Resilienz.
Dazu kommt, dass der Ansporn zu handeln bisher überwiegend durch externe Vorgaben ausgelöst wird: Um ausreichend Kapazitäten zu erhalten, sind die ESG-Kriterien der Versicherer zu erfüllen und für viele Banken sind Green Investments mittlerweile Standard. Auch die Politik stellt durch diverse Regularien klare Forderungen. Ganz vorneweg stehen die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Darüber hinaus spielt der gesellschaftliche Druck eine große Rolle: Klimaproteste weiten sich aus, die Forderungen der Gesellschaft nach klimabewusstem Handeln werden lauter. Sie zu ignorieren, kann unter anderem zu Reputationsverlusten führen.
Klimarisiken richtig analysieren
Obwohl die Forderungen der genannten Parteien wichtige Veränderungen anstoßen, sollten sie nicht der einzige Motivator sein. Unternehmen müssen selbst aktiv werden. Beispielsweise Bauern sollten sich schon jetzt überlegen, wie sie ihre Felder zukünftig bestellen wollen, wenn sie aufgrund von länger andauernden Hitzeperioden in bestimmten Regionen nicht mehr alles ertragreich anbauen können. Um den Geschäftserfolg zu sichern, müssen Organisationen Transparenz schaffen, sich ihrer Risiken bewusst werden und geeignete Maßnahmen ableiten, um diese zu reduzieren und/oder abzusichern. Hier kommt die Risiko-Analyse ins Spiel, die sich in drei Bereiche aufteilen lässt:
- Analyse der physischen Risiken: Wie wirken sich akute und chronische Klimarisiken auf mein Produkt oder mein Gebäude aus? Sind meine Standorte zum Beispiel durch Überschwemmungen, Dürre, Wassermangel oder Stürme zukünftig häufiger gefährdet?
- Analyse der Risiken für das Geschäftsmodell: Wie wirken sich die identifizierten Klimarisiken auf meine Art zu wirtschaften aus? Was passiert beispielsweise mit meinen Anbauflächen, wenn die Temperatur in den nächsten Jahren um 1,5 Grad – oder sogar noch mehr – steigt?
- Analyse des Haftungsrisikos: Gerade wenn Unternehmen international tätig sind, müssen sie verschiedene Gesetze im Auge behalten, um Schadenersatzansprüche zu vermeiden.
Datengestütztes Risikomanagement
Umfassende Daten-Pools und Analyse-Tools können helfen, physische Risiken zu identifizieren und zu quantifizieren. Anhand unterschiedlicher Klimaszenarien und Zeitleisten lässt sich ermitteln, wie die Unternehmensstandorte weltweit von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein können. Dadurch erhalten Firmen fundierte Informationen für Kapitalgeber oder Versicherer und gewinnen einen größeren Verhandlungsspielraum.
Benötigte Kapazitäten sind möglicherweise leichter zu erhalten. Unternehmen können Bauvorhaben besser bewerten und prüfen, ob kritische Zulieferer oder Abnehmer bedroht sind, was sich auch auf das eigene Geschäft auswirken würde. Dadurch können sie das Geschäftsmodell an die zukünftigen Bedrohungen anpassen und entsprechend weiterentwickeln.
Neue Technologien versicherbar machen
Im Zuge des Risikomanagements orientieren sich viele Unternehmen hin zu einem „grüneren“ Wirtschaften. Dieser Transformation steht jedoch häufig der Stolperstein im Weg, dass die neuen Technologien schwer versicherbar sind: In vielen Industrien bemühen sich die Unternehmen, umweltfreundlichere Produktionsverfahren mit weniger CO2-Emissionen zu etablieren. Dabei entstehen aber zahlreiche Risiken mit unbekannter Schadenhäufigkeit und -schwere.


