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Semi- liquide, bis sich das Gegenteil beweist: Der Investor‑Leitfaden für Evergreen‑Strukturen

Autor

Toby Seely und
Lily Zelezetskii
15. Juli 2026

Evergreen- und semi-liquide Private-Markets-Fonds sind nicht neu, haben aber in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen: Rund ein Drittel der Investoren erwägt aktiv eine Allokation in diese Strukturen[1]. Dabei handelt es sich um offene Vehikel, die regelmäßige Ein- und Auszahlungen ermöglichen. „Evergreen“ bedeutet eine kontinuierliche Kapitalinvestition, während „semi-liquide“ eine begrenzte, periodische Liquidität beschreibt. Obwohl dies mehr Flexibilität und eine stärkere Demokratisierung der Private Markets ermöglicht hat, haben jüngste Marktstressphasen die strukturellen Risiken in Zusammenhang mit Liquidität und Anlegerverhalten aufgezeigt[2]. Regelmäßige Handelsfenster können die Erfahrung glätten, machen illiquide Vermögenswerte jedoch nicht liquide.

Um Anlegern zu helfen, zwischen robust konstruierten Vehikeln und solchen, die auf ruhigere Marktbedingungen angewiesen sind, zu unterscheiden, skizzieren wir einen praxisnahen Rahmen mit fünf Gestaltungsprinzipien, die über vollständige Marktzyklen hinweg die Ergebnisse deutlich verbessern.

Versprochene Liquidität vs. realisierbare Liquidität

Semi-liquide Fonds wurden erfolgreich, weil sie eine attraktive Mischung bieten: offene, fondsähnliche Strukturen mit regelmäßigen Handelsterminen kombiniert mit Zugang zu Anlageklassen, die normalerweise nur über geschlossene Fonds mit Kapitalabrufen zugänglich sind. Wenn sich die Märkte jedoch verschlechtern, können Rückgaben steigen, während gleichzeitig die Liquidität verschwindet – was Manager zu Verkäufen mit Abschlägen, Rücknahmebeschränkungen oder Wertverlusten zwingt[3].

Im Kern besteht ein strukturelles Ungleichgewicht: kurze Rücknahmezyklen stehen langfristigen Vermögenswerten gegenüber. Instrumente wie Bewertungsglättung, hohe Rücknahmelimite oder die Abhängigkeit von Sekundärmärkten können den Druck verzögern, aber nicht beseitigen – und verstärken oft eher verhaltensbedingte Kapitalbewegungen, statt sie zu stabilisieren.

Eine solide Evergreen-Struktur adressiert diese Einschränkungen direkt: durch Liquiditätspuffer, disziplinierte Rücknahmegrenzen und gezielte Aufklärung, sodass Investoren verstehen, dass kontinuierlicher Zugang nicht gleichbedeutend mit kontinuierlicher Liquidität ist.

Worauf Anleger achten sollten: fünf zentrale Gestaltungsprinzipien

Fünf Prinzipien für die Konstruktion widerstandsfähiger semi-liquider Portfolios[4]

  1. Nachgewiesene Erfahrung im Management illiquider Anlagen in semi-liquider Form
  2. Kapital­schutzmechanismen zugunsten bestehender Investoren
  3. Stewardship und Anlegerbildung als Risikokontrolle
  4. Liquidität ausbalancieren ohne Renditeeinbußen
  5. Portfoliokonstruktion im Einklang mit dem Liquiditätsversprechen

Das größere Bild

Bei ELTIFs und RAIFs variieren Liquiditätsbedingungen, Kündigungsfristen und Gebührenstrukturen erheblich. Manche Produkte sind auf Zugänglichkeit und Skalierung ausgelegt, andere auf Stabilität und Kapitalschutz. Häufig spiegeln die Liquiditätsbedingungen eher kommerzielle Positionierung als tatsächliche Risikodisziplin wider.

Ähnlich verhält es sich mit Gebühren: Niedrige Gebühren können irreführend sein, wenn Liquiditätskosten auf alle Anleger verteilt werden oder Sekundärmarktverkäufe nicht transparent bepreist sind. Durchdachte Performancegebühren mit Hürden und High-Water-Marks fördern hingegen die Interessengleichheit.

Hochwertige Strukturen fördern eine langfristige Anlagementalität und können kurzfristiges, opportunistisches Verhalten sogar bestrafen (z. B. durch Exit-Gebühren), wenn Investoren unterbewertete Liquidität ausnutzen.

Eine praxisnahe Due-Diligence-Checkliste für Investoren[4]

  1. Wie erfahren ist der Fondsmanager in der Verwaltung offener illiquider Portfolios?
  2. Wer trägt die Kosten der Liquiditätsbereitstellung?
  3. Werden die Anleger strukturell dazu angehalten, langfristig zu denken und zu investieren?
  4. Welcher Anteil des Fondsvermögens kann in Stressphasen zurückgegeben werden und wie häufig sind Rücknahmen möglich?
  5. Aus welchen Vermögenswerten wird die erforderliche Liquidität in der Praxis bereitgestellt?

Fazit

Semi-liquide und Evergreen-Fonds können eine wertvolle Rolle in langfristigen Portfolios spielen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von Erfahrung, Interessengleichheit und transparenter Liquiditätsstruktur ab. Jüngste Marktzyklen haben gezeigt, dass Widerstandsfähigkeit – nicht nur Zugänglichkeit – entscheidend ist.

Anleger sollten daher Strukturen bevorzugen, die sowohl in stressigen als auch in ruhigen Marktphasen funktionieren. Bei sorgfältiger Konstruktion bieten semi-liquide Fonds einen überzeugenden Zugang zu Private Markets, der Flexibilität und Stabilität miteinander verbindet.

Um mehr darüber zu erfahren, wie WTW beim Aufbau semi-liquider Portfolios vorgeht und um unser Lösungsangebot zu besprechen, besuchen Sie bitte unsere Website oder kontaktieren Sie uns hier.

Fußnote

  1. “Private Markets Study 2026”, Aviva Investors, 2026. Zur Textstelle
  2. “Private credit’s liquidity squeeze puts lenders in a tight spot”, Alexander Davis, PitchBook, 2026. Zur Textstelle
  3. “Evergreens: The Tree That Never Sheds”, EDHEC Infrastructure & Private Assets Research Institute, October 2025. Zur Textstelle
  4. WTW Manager Research, May 2026. Zur Textstelle
  5. “The State of Semiliquid funds 2025”, Morningstar, 2025. Zur Textstelle

Autoren

Toby Seely, Lead Portfolio Specialist, Private Markets

Toby Seely

Lead Portfolio Specialist, Private Markets

Lily Zelezetskii, Portfolio Analyst, Private Markets

Lily Zelezetskii

Portfolio Analyst, Private Markets

Ihr Kontakt

Alexandra Tischendorf, CFA Leiterin Anlageberatung Pensionskasse

Alexandra Tischendorf

CFA Leiterin Anlageberatung Pensionskasse

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