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Artikel

Investment Governance: Das volle Potenzial ausschöpfen

360°Vorsorge | Magazin

Von Alexandra Tischendorf und Sebastian Krejci | 20. Januar 2026

Investment Governance stärkt die Performance von Pensionskassen: klare Prozesse, fundierte Analysen und agile Steuerung ermöglichen bessere Anlageentscheide und sichern langfristige Stabilität.

Schweizer Pensionskassen haben ihre Stärke seit langem durch ihre Anlageperformance unter Beweis gestellt. Seit 2004 hat die zweite Säule über 500 Milliarden CHF an Nettorenditen erzielt – mehr als die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammen. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 8 % im Jahr 2024 und einem Deckungsgrad von 117 % ist das System finanziell solide aufgestellt. Dennoch konzentriert sich die öffentliche Debatte weiterhin weitestgehend einseitig auf Kosten und Umwandlungssätze und übersieht dabei einen wichtigen Motor für die Nachhaltigkeit der Altersvorsorge: die Investment Governance.

Governance – das «G» in ESG – ist weit mehr als nur Aufsicht. Sie ist das strategische Rückgrat des Anlageprozesses. Von der ersten Idee über die Auswahl, die Due Diligence, die Umsetzung und das aktive Management bis hin zum endgültigen Ausstieg muss jede Phase des Anlagezyklus von klaren Grundsätzen, robusten Prozessen und fundierten Entscheidungen geleitet werden. Dies ist angesichts der zunehmenden Komplexität der globalen Märkte und der wachsenden rechtlichen Verantwortung des Stiftungsrats besonders wichtig.

WTW-Risk Compass für eine Beispiel-Pensionskasse

WTW-Risk Compass

Jüngste Entwicklungen – wie die Urteile des Bundesgerichts zur Haftung von Stiftungsräten – haben die Bedeutung der Governance unterstrichen. Vom Stiftungsrat wird erwartet, dass er nicht nur übermässige Risiken vermeidet, sondern gleichzeitig auch sicherstellt, dass die Risikokapazität der Pensionskasse voll ausgeschöpft wird. Eine ausschliesslich auf Sicherheit orientierte Anlagestrategie mit entsprechend wenig Renditepotenzial kann genauso problematisch sein wie übermässige Risiken. Dies erfordert ein differenzierteres Verständnis der Risikokapazität, die je nach demografischem Profil, der Leistungsstruktur und der finanziellen Gesundheit der Pensionskasse erheblich variiert. Mit der Einführung des «Risk Compass» hat WTW dazu beigetragen, das Verständnis für diesen entscheidenden Aspekt – das Risikobudget – zu verbessern.

«Total-Portfolio-Ansatz»

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen Pensionskassen zunehmend auf einen «Total-PortfolioAnsatz» oder zumindest auf ein «Total-Portfolio-Denken». Diese Methode legt ihren Schwerpunkt nicht auf einzelne Anlageklassen, sondern integriert alle Anlagen in ein einheitliches Rahmenwerk, das auf die Verbindlichkeiten und die Risikotoleranz der Pensionskasse abgestimmt ist. Sie ermöglicht eine dynamische Neugewichtung und eine bessere Nutzung der Diversifizierung, was letztlich zu effizienteren Portfolios mit höherem Renditepotenzial führt.

Im Mittelpunkt des Total-Portfolio-Ansatzes steht die Rolle fundierter Erkenntnisse. Hochwertige Analysen fliessen in jeden Schritt des Investitionszyklus ein – von der Identifizierung von Chancen über die Bewertung von Managern bis hin zu Stresstest-Szenarien. Sie helfen auch dabei, Ineffizienzen aufzudecken, wie z. B. Biases oder suboptimal ausgerichtete Vermögensallokationen, die die Renditen schmälern können. Studien zeigen, dass Pensionskassen, die sich auf starke Analysekapazitäten stützen, ihre Mitbewerber durchweg übertreffen, was den Wert einer evidenzbasierten Governance unterstreicht.

Vorausschauende Governance

Darüber hinaus muss die Governance agil genug sein, um neue Entwicklungen – von technologischen Innovationen bis hin zu Nachhaltigkeit – zu berücksichtigen. Die Fähigkeit, sich schnell und strategisch anzupassen, ist nicht mehr optional, sondern für langfristige Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich. Diese Agilität erfordert von Pensionskassen, den Horizont kontinuierlich nach neuen Risiken und Chancen abzusuchen.

Die Digitalisierung verändert die Vermögensverwaltung durch fortschrittliche Analysen, maschinelles Lernen (KI) und Echtzeit-Datenverarbeitung und ermöglicht eine präzisere Portfoliokonstruktion und Risikoüberwachung. Gleichzeitig erfordert die wachsende Bedeutung klimabezogener Finanzangaben und der ESG-Integration eine Weiterentwicklung der Governance-Rahmenbedingungen, um Übergangsrisiken, gestrandete Vermö- genswerte und regulatorische Veränderungen bewerten zu können.

Eine vorausschauende Governance bedeutet auch, offen zu sein für alternative Anlagestrukturen, neue Anlageklassen und thematische Strategien, die auf globale Megatrends abgestimmt sind. Letztendlich geht es bei einer agilen Governance darum, institutionelle Kapazitäten aufzubauen, um proaktiv auf Veränderungen einzugehen – statt lediglich darauf zu reagieren.

Autoren


CFA Leiterin Anlageberatung Pensionskasse

Sebastian Krejci - Anlageberater Pensionskassen
Head Investment Romandie

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