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Artikel | Benefits Perspectives

Eine Investition in Realwerte toppt die Inflation

Garantie in der bAV – die ökonomische Perspektive

13. September 2022

Moderne Versicherungslösungen in der bAV verbinden Sicherheit mit Renditechancen. Entscheidend ist die Investition in diversifizierte Realwerte bei moderaten Garantien.
Retirement|Investments|Global Benefits Management
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Bei einem angemessenen Garantieniveau bleibt ausreichend Freiraum für eine Kapitalanlage, die bei dem weiten Anlagehorizont der bAV für eine attraktive Rendite sorgt. Selbst längere Inflationsphasen können hier keinen Strich durch die Rechnung machen. Ein Interview mit Dr. Guntram Hepperle, WTW, Dr. Jürgen Bierbaum, Alte Leipziger, und Matthias Altenähr, Swiss Life. 

Herr Dr. Hepperle, letztes Jahr wurden mit Blick auf die niedrigen Zinsen abgesenkte Garantieniveaus ausgerufen, um renditestarke Investitionen in Realwerte zu ermöglichen. Wie sieht die Lage heute aus?

Dr. Guntram Hepperle: Einerseits steigen die Zinsen wieder moderat. Andererseits setzen vor allem der Ukraine-Krieg und die restriktive Corona-Politik Chinas das weltweite Wirtschaftssystem massiv unter Druck. Viele Unternehmen leiden unter gestörten Lieferketten, dem Mangel an Vorprodukten und steigenden Energiekosten. Wir bewegen uns in eine neue Weltwirtschaftsordnung mit weniger Vernetzung und mehr Autarkie. Alles zusammen hat auch zu einer wohl dauerhaft höheren Inflation geführt. Insgesamt bleibt die Lage unsicher, Versicherer werden deshalb ihre Garantiepolitik bis auf weiteres nicht ändern, um etwas freie Hand für ihre Investitionsstrategie zu behalten.

Herr Dr. Bierbaum, bleiben Realwerte in diesem Kontext nach wie vor etwas Reelles? Oder fegt die Inflation jede Rendite doch wieder weg?

Dr. Jürgen Bierbaum: Wenn wir eine langfristige Perspektive einnehmen, und die haben wir in der bAV, sind auch längere Inflationsphasen bei einer vernünftigen Kapitalanlage kein Problem. Bei einer aufgeschobenen Rentenversicherung mit einer Anspardauer von 30 Jahren und einem Jahresbeitrag von 1.000 € lässt sich beispielsweise trotz einer fünfjährigen Phase mit hoher Inflation ein realer Überschuss erzielen. Und eine „vernünftige Kapitalanlage“ ist eben eine stark diversifizierte Kapitalanlage mit einem großen Anteil an Real- bzw. Beteiligungswerten.

Welche Rolle spielt das Thema Garantie in diesem Kontext?

Dr. Jürgen Bierbaum: Wir haben das Zusammenspiel unterschiedlicher Garantieniveaus, Vertragslaufzeiten und Aktienquoten stochastisch simuliert. Wie zu erwarten, steigt die erwartete mittlere Rendite bei sinkenden Garantien und entsprechend höheren Aktienquoten. Interessant ist jedoch, dass ein effizienter Trade-off zwischen Risiko und Chance bei Garantieniveaus zwischen 70 und 80 Prozent liegt. Noch niedrigere Garantien würden die Renditechancen nur wenig erhöhen, gleichzeitig aber die Risiken stärker erhöhen.

Herr Dr. Hepperle, bleibt es also vorteilhaft, im Rahmen der bAV in Realwerte zu investieren?

Dr. Guntram Hepperle: Ja, die Beteiligung am Wertzuwachs von Realwerten bleibt auch aus unserer Sicht nach wie vor die richtige Strategie. Und ein moderates Garantieniveau lässt dafür auch genügend Freiraum. Die Versicherer bieten hier ja praktikable Lösungen.

Herr Altenähr, wie sieht ein konkretes Versicherungsprodukt im Spannungsfeld von Garantien und Rendite denn aus?

Matthias Altenähr: Um der aktuellen makroökonomischen Lage Rechnung zu tragen, ist auch aus unserer Sicht die Kombination moderater Garantien mit Beteiligungswerten das Gebot der Stunde. Klassische Festzinsprodukte können jedenfalls steigende Inflationsraten nicht ausgleichen. Wir bieten unseren Kunden deshalb eine hybride kapitalmarktorientierte Lösung mit drei Töpfen: ein Basis-Investment mit konservativen Zielanlagen, ein Zentrales Investment mit renditeorientierten Zielanlagen und ein Ergänzendes Investment mit weiteren Anlagemöglichkeiten. Mit Blick auf den Vertragsstatus und die Kapitalmarktentwicklung kann das Vertragsguthaben bei Bedarf börsentäglich zwischen diesen Töpfen umgeschichtet werden.

Das hört sich erst einmal gut an …

Matthias Altenähr: … und die Lösung hat sich bereits bewährt: Während der wirtschaftlich besonders kritischen, von starken Kapitalmarktschwankungen geprägten Phase der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wurde aus dem Zentralen Investment automatisch massiv in das Basis-Investment umgeschichtet, um Vertragsguthaben und damit Garantien zu sichern. Während der danach einsetzenden Erholung wurde die Investitionsquote im zentralen Investment wieder konsequent sukzessive erhöht. Und umfassende stochastische Analysen haben gezeigt, dass das System bei jeder wirtschaftlichen Krise wie gewünscht reagiert und unter dem Strich für eine gute Rendite sorgt.

Herr Dr. Bierbaum, wie wird sich die Produktwelt der Versicherer entwickeln?

Dr. Jürgen Bierbaum: Ich bin mir sicher, dass moderne Versicherungslösungen bereits alles können. Gerade hybride Konzepte lassen sehr unterschiedliche Investmentstrukturen zu. Übrigens überzeugt bereits das Sicherungsvermögen mit einem attraktiven Verhältnis von Chancen und Risiken. Hier stecken ja nicht nur festverzinsliche Wertpapiere drin, sondern auch Infrastruktur- oder Immobilieninvestments. Alles kann über die Zeit kollektiv geglättet werden. Und das Thema bAV heißt ja nicht „tolle Rendite mit 40“, sondern „Geld im Alter“; dafür stehen die Versicherer mit ihren intelligenten Wertsicherungsmechanismen.

Uns hemmen nur die vielfältigen Vorschriften, etwa zur Garantiehöhe in der Beitragszusage mit Mindestleistung; da wäre durchaus etwas Luft nach unten drin. Zudem reduziert der Zwang zur stetigen Erhöhung der Renten in der Leistungsphase die Möglichkeiten in der Kapitalanlage. Hier wäre die Politik gefragt, damit auch während des Rentenbezugs renditeorientierter und damit inflationsgeschützter investiert werden kann.

Herr Altenähr, wie würden Sie, auch ohne weitere politische Hilfe, eine praktikable Philosophie in Sachen Kapitalanlage auf den Punkt bringen?

Matthias Altenähr: Ganz klar und in aller Kürze: Sicherheit, wenn nötig. Und Chancen, so oft wie möglich.

Herr Dr. Hepperle, das entspricht vermutlich auch Ihrer Sicht der Dinge.

Dr. Guntram Hepperle: Auf jeden Fall. Wir dürfen nur nicht die Kunden im Rahmen der bAV, also die Mitarbeitenden, aus den Augen verlieren. Und hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig: Viele Menschen freuen sich über steigende Zinsen und missachten die destruktive Kraft der Inflation. Entsprechend schätzen sie scheinbar lukrative nominal gut verzinste Wertpapiere. Gleichzeitig sehen sie Investments in den Kapitalmarkt kritisch, weil es hier auf und ab geht; ihnen fehlt der Blick auf den langfristigen realen Wertzuwachs.

Wir sollten also noch mehr dafür tun, dass alle den Unterschied zwischen nominal und real verstehen und die Chancen erkennen, die Investitionen in Realvermögen langfristig bieten. Wir brauchen eine positive Kapitalmarktkultur, damit auch moderne renditestarke bAV-Lösungen von den Mitarbeitenden voll und ganz geschätzt werden. Die Losung lautet also: Leistungsstarke Lösungen bieten und gleichzeitig intensiv financial education betreiben.

Interviewteilnehmer

Matthias Altenähr
Abteilungsleiter Produktmanagement-Markt & Rating
Swiss Life AG

Dr. Jürgen Bierbaum
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender
ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a.G.

Head of Pension Brokerage Germany, Retirement

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