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Neue Wege in der Vermögensverwaltung

Vom Governance-Outsourcing zum strategischen Bilanzpartner

Autor

Ben Carreras Painter
30. Juni 2026

Das Outsourced-Chief-Investment-Officer-Modell als strategisches Instrument

Die Governance-Modelle der betrieblichen Altersversorgung (bAV) befinden sich in einem strukturellen Wandel. Getrieben durch die zunehmende Notwendigkeit, Unternehmensstrukturen zu vereinfachen, sowie durch die wachsende Zurückhaltung, interne Investmentkompetenzen aufrechtzuerhalten oder neu aufzubauen, überdenken Unternehmen zunehmend, wie sie ihre bilanziellen Risiken am effektivsten steuern können.

Parallel dazu haben der Mangel an qualifizierten Investmentexperten sowie der anhaltende Kostendruck in nicht-strategischen Bereichen den Trend hin zu ausgelagerten Investmentmodellen weiter beschleunigt. Gleichzeitig erkennen institutionelle Investoren zunehmend, dass Skaleneffekte im Asset Management entscheidend sind – und dass die Bündelung globaler Vermögenswerte nicht nur zu niedrigeren Kosten, sondern idealerweise auch zu verbesserten Nettoergebnissen führen kann.

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich das Outsourced-Chief-Investment-Officer-Modell (OCIO-Modell) auch in Deutschland zunehmend von einer reinen Governance-Lösung zu einem strategischen Steuerungsinstrument.

Verwischende Grenze zwischen Berater und Asset Manager

OCIO beschreibt grundsätzlich die Auslagerung von Investmententscheidungen und treuhänderischen Verantwortlichkeiten. Auch wenn der Markt weiterhin zwischen zwei grundlegenden Modellen unterscheidet – dem Berater-geprägten OCIO-Ansatz und dem durch Asset Manager getriebenen Modell – ist die Grenze zwischen beiden heute deutlich weniger klar als früher.

Historisch war die Trennung eindeutig:

  • Berater fokussierten sich auf Strategie, Asset Liability Management (ALM) und Managerselektion.
  • Asset Manager konzentrierten sich auf Titelselektion und Umsetzung.

Über die letzten zehn Jahre hat sich diese Grenze jedoch zunehmend verwischt. Anbieter beider Modelle haben ihre Fähigkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgebaut, was zu überlappenden Angeboten und in vielen Fällen zu einer gewissen Unklarheit bei Investoren hinsichtlich der tatsächlichen Differenzierungsmerkmale geführt hat.

In Deutschland ist das OCIO-Modell weiterhin häufig nur partiell umgesetzt und weist vielfach noch Elemente des Fiduciary Management, also der treuhänderischen Vermögensverwaltung auf – insbesondere durch die fortgesetzte Einbindung der Investoren in strategische Entscheidungsprozesse oder sogar durch Vetorechte bei der Managerauswahl. Diese Ausprägungen waren historisch stärker mit konsultativen OCIO-Modellen verbunden, unabhängig davon, ob diese durch globale Investmentberater oder Asset Manager mit Beratungsfähigkeiten erbracht wurden.

Neu definierte Rollen

Als Reaktion darauf haben einige Investoren versucht, die Rollen neu zu definieren, indem sie Beratungs- und Umsetzungsmandate wieder voneinander getrennt und unabhängige Berater zusätzlich zu OCIO- oder Fiduciary-Anbietern mandatiert haben. Diese Entscheidungen sind häufig von dem Wunsch nach größerer Unabhängigkeit oder einer Rückkehr zu „traditionellen“ Rollenbildern motiviert, gehen jedoch oft zulasten von Skaleneffekten, Umsetzungsgeschwindigkeit und integrierten Entscheidungsprozessen.

Demgegenüber werden beraterbasierte OCIO-Modelle in der Regel mit höherer Flexibilität in der Umsetzung assoziiert, insbesondere durch Open-Architecture-Ansätze, die Zugang zu Best-in-Class-Managern über sämtliche Anlageklassen hinweg ermöglichen und gleichzeitig Skalenvorteile nutzen.

Trotz dieser lokalen Besonderheiten standen deutsche Pensionsinvestoren in den letzten zehn Jahren vor vergleichbaren Herausforderungen wie ihre internationalen Peers. Paradoxerweise haben jedoch gerade einfachere Portfoliostrukturen eine Phase starker Portfolioergebnisse erlebt – abgesehen von kurzfristigen Rückschlägen. Relativ schlanke Allokationen konnten überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, trotz einer höheren Frequenz von Volatilitätsphasen und Marktrückgängen.

Gleichzeitig waren die Schocks zunehmend exogener Natur – ausgelöst außerhalb des Finanzsystems und übertragen über Inflation, Energiepreise und Arbeitsmärkte. Während die Realwirtschaft weltweit unterschiedlich betroffen war, durchläuft Deutschland insbesondere eine tiefgreifende strukturelle Transformation seiner industriellen Basis und sieht sich insgesamt wachsenden Herausforderungen seines bisherigen Wachstumsmodells gegenüber.

Anlagestrategien auf dem Prüfstand

Trotz dieser Entwicklungen haben sich die Kapitalmärkte bemerkenswert resilient gezeigt, wobei Verluste in beispielloser Geschwindigkeit wieder aufgeholt wurden. Ein wesentlicher Teil dieser Erholung basierte jedoch auf optimistischen Zukunftserwartungen und weniger auf fundamentalen Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Mit Blick nach vorn sehen sich Investoren daher mit erheblicher Unsicherheit hinsichtlich des zukünftigen Wirtschaftsregimes konfrontiert. Dies wirft die zentrale Frage auf, ob bisherige Ansätze der Portfoliokonstruktion weiterhin geeignet sind. Ein Satz, dem sich jeder Investor früher oder später stellen muss, lautet: „Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.“ Dennoch ist es kein Geheimnis – und durchaus nachvollziehbar –, dass institutionelle Anlageentscheidungen maßgeblich durch vergangene Erfahrungen geprägt sind.

Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass sich das wirtschaftliche Umfeld der letzten 40 bis 50 Jahre grundlegend verändert. Elemente der Globalisierung und des wirtschaftsliberalen Ordnungsrahmens werden zunehmend hinterfragt, während protektionistische und interventionistische Ansätze – etwa in Form von Zöllen und industriepolitischen Maßnahmen – wieder an Bedeutung gewinnen.

Dies erhöht die Anforderungen an treuhänderische Verantwortung erheblich. Zumindest sollten Investoren ihre bestehenden Mandatsstrukturen überprüfen und kritisch dahingehend hinterfragen, ob eingeschränkte Flexibilität in der Portfoliosteuerung geeignet ist, um den Herausforderungen der kommenden Dekade zu begegnen.

Besonders relevant ist diese Fragestellung für Pensionswerke mit geschlossenen Defined-Benefits-Zusagen. Die Entstehung eines neuen deutschen Pension-Risk-Transfer-Marktes in Form von Rentnergesellschaften trifft auf historisch hohe Ausfinanzierungsgrade.

Vor diesem Hintergrund überprüfen immer mehr Pensionswerke (vorwiegend Direktzusagen und Pensionsfonds) ihre Anlagestrategien, entweder um die Sicherheit eines Risikotransfers zu erhöhen oder um vorhandene Überschüsse abzusichern und die Kapitalanlage mit höherer Planungssicherheit fortzuführen (sogenanntes Run-on).

Mehr Fokus auf eine integrierte und ergebnisorientierte Steuerung

Das Zeitfenster für Entscheidungen ist dabei asymmetrisch: Während Buyout-Transaktionen und notwendige Due-Diligence-Prozesse mehrere Monate oder sogar Quartale in Anspruch nehmen, können Marktbewegungen innerhalb weniger Tage erhebliche Auswirkungen auf bestehende Überschüsse haben.

Zudem ist die Risikostruktur von Defined-Benefits-Zusagen deutlich komplexer als allein durch Zinsänderungen abzubilden wäre. Inflation, Wahlrechte der Zahlungsmodalität sowie biometrische Annahmen stellen zusätzliche, zum Teil erhebliche Einflussfaktoren dar.

In diesem Umfeld entwickelt sich die Rolle des OCIO weiter – hin zu einer stärker integrierten, ergebnisorientierten Steuerung. Für Pensionswerke auf diesem Transformationspfad bietet insbesondere die Kombination von aktuarieller und Investment-Expertise einen klaren Mehrwert. Ein integrierter Ansatz ermöglicht schnellere Entscheidungen, eine bessere Abstimmung zwischen Aktiv- und Passivseite sowie letztlich einen klareren und effizienteren Weg hin zu Settlement- und Buy-out-Strategien zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen.

Mit der weiteren Entwicklung des deutschen Marktes wird die Rolle von OCIO-Anbietern als ganzheitliche Partner für eine strategische Bilanzstrukturierung weiter an Bedeutung gewinnen.

Autor

Ben Carreras Painter, Director Investments

Ben Carreras Painter

Senior Director | PRT Investment Strategist

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