
Auf einen Blick
- Arbeitsplatzsicherheit, Stabilität und Zukunftsperspektiven gewinnen bei Arbeitgeberwahl und Bindung deutlich an Bedeutung.
- Hohe Stresswerte und gesundheitliche Belastungen bleiben bestehen. Wellbeing fördert Engagement und Produktivität.
- Immer mehr Beschäftigte fühlen sich finanziell belastet. Financial Wellbeing wird zum zentralen Arbeitgeberthema.
- Verständliche, flexible und leicht zugängliche Benefits schaffen echten Mehrwert und stärken die Employee Experience.
Zwischen Unsicherheit und Stabilitätsbedürfnis
Die Ergebnisse des Global Benefits Attitudes Survey 2026 von WTW (GBAS) zeichnen ein klares Bild: Beschäftigte suchen in einem von Inflation, wirtschaftlicher Unsicherheit und technologischem Wandel geprägten Umfeld vor allem eines – Sicherheit. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Gehalt, sondern auch um Gesundheit, Wohlbefinden, finanzielle Stabilität und die Altersvorsorge. Die Themen werden innerhalb einer wettbewerbsfähigen Total-Rewards-Strategie zunehmend zu entscheidenden Faktoren für Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung.
Zwar planen laut der genannten Studie mehr als 60 Prozent der Beschäftigten, in den kommenden zwei Jahren bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben. Gleichzeitig ist die aktive Wechselbereitschaft gegenüber 2022 zurückgegangen. Dies sollte jedoch nicht vorschnell als Zeichen höherer Zufriedenheit interpretiert werden. Ein Teil der Beschäftigten bleibt möglicherweise nicht aus Überzeugung, sondern aus Vorsicht. Das häufig diskutierte Phänomen des „Job Huggings“ beschreibt genau diese Entwicklung: Mitarbeitende halten an ihrem Arbeitsplatz fest, weil sie die Risiken eines Wechsels aktuell höher einschätzen als die Chancen. Die entscheidende Frage für Arbeitgeber lautet also nicht mehr allein, ob Mitarbeitende bleiben, sondern warum sie bleiben.
„Wir beobachten, dass Sicherheit für viele Beschäftigte wieder einen deutlich höheren Stellenwert einnimmt. Arbeitgeber sind deshalb zunehmend gefordert, nicht nur attraktive Leistungen anzubieten, sondern ein Umfeld zu schaffen, das Stabilität, Orientierung und Zukunftsperspektiven vermittelt“, erklärt Nicoletta Blaschke, Head of Health & Benefits Germany & Austria bei WTW.
Wir beobachten, dass Sicherheit für viele Beschäftigte wieder einen deutlich höheren Stellenwert einnimmt. Arbeitgeber sind deshalb zunehmend gefordert, nicht nur attraktive Leistungen anzubieten, sondern ein Umfeld zu schaffen, das Stabilität, Orientierung und Zukunftsperspektiven vermittelt”Nicoletta BlaschkeHead of Health & Benefits Germany & Austria
Arbeitsplatzsicherheit wird zum strategischen Differenzierungsmerkmal
Besonders deutlich wird die Verschiebung der Prioritäten beim Thema Jobsicherheit. Mit 46 Prozent gehört Arbeitsplatzsicherheit zu den wichtigsten Kriterien bei der Arbeitgeberwahl; bei der Mitarbeiterbindung erreicht sie sogar 50 Prozent. Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits 2024 sichtbar war.
Jobsicherheit, Flexibilität und Urlaubsregelungen sind wichtige Differenzierungsmerkmale
| Mitarbeitergewinnung | Mitarbeiterbindung | ||
|---|---|---|---|
| Vergütung | 69% | Vergütung | 62% |
| Arbeitsplatzsicherheit | 46% | Arbeitsplatzsicherheit | 50% |
| Flexible Arbeitsmodelle | 43% | ArbeitskollegInnen | 43% |
| Urlaubsregelungen | 35% | Arbeitsumfeld | 40% |
| Arbeitsinhalt | 34% | Urlaubsregelungen | 36% |
| Arbeitsanforderungen | 34% | Flexible Arbeitsmodelle | 36% |
| Arbeitsumfeld | 34% | Arbeitsinhalt | 35% |
Bemerkenswert ist dabei, dass Jobsicherheit offenbar kein vorübergehender Kriseneffekt mehr ist. Vieles spricht dafür, dass sich die Präferenzen der Beschäftigten nachhaltig verändert haben. Im Vordergrund steht zunehmend die Frage, wie langfristig der eigene Arbeitsplatz abgesichert ist, ob die persönliche Beschäftigungsfähigkeit auch künftig erhalten werden kann, wie gut die finanzielle Absicherung insgesamt ausfällt und ob der Lebensstandard im Ruhestand gesichert werden kann.
Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit weg von der kurzfristigen Optimierung einzelner Arbeitsbedingungen hin zur langfristigen Resilienz und Zukunftssicherheit.
Gesundheit bleibt Fundament der Beschäftigungsfähigkeit
Auch beim Thema Wellbeing zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Entwicklung vieler Kennzahlen ist positiv. So hat sich insbesondere die soziale Verbundenheit der Beschäftigten gegenüber der letzten Erhebung aus dem Jahr 2024 deutlich verbessert. Gleichzeitig bleiben gesundheitliche Belastungen auf hohem Niveau.
Die aktuelle Studie zeigt:
- 40 Prozent der Beschäftigten erleben hohen oder überdurchschnittlichen Stress.
- 25 Prozent leben mit einer psychischen Erkrankung.
- 29 Prozent berichten von chronischen Erkrankungen.
- 21 Prozent fühlen sich häufig einsam oder sozial isoliert.
Besonders relevant ist der Zusammenhang zwischen Mitarbeiter-Wellbeing und Unternehmenserfolg. Mitarbeitende, die ein hohes Maß an Wellbeing erleben, sind stärker an ihr Unternehmen gebunden, engagieren sich überdurchschnittlich und tragen durch weniger Fehlzeiten sowie geringeren Präsentismus zu einer höheren Produktivität bei.
„Leistungen zur Förderung von Mitarbeiter-Wellbeing und Gesundheit sind kein ‚Nice-to-have‘ mehr. Sie sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Beschäftigte langfristig leistungsfähig bleiben, ihr Potenzial entfalten und sich ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen“, erläutert Nicoletta Blaschke. „Gesundheit entwickelt sich damit immer stärker von einem Fürsorgethema zu einem betriebswirtschaftlichen Thema.”
Financial Wellbeing rückt in den Mittelpunkt
Die vielleicht auffälligste Entwicklung des GBAS 2026 betrifft die finanzielle Situation der Beschäftigten. Inzwischen gelten 21 Prozent der Mitarbeitenden als finanziell belastet, und ein Drittel berichtet, dass finanzielle Sorgen das eigene Leben spürbar beeinträchtigen. Beide Werte liegen über dem Niveau der Vorjahre.
Die Auswirkungen beschränken sich dabei nicht auf den privaten Bereich. Finanzielle Belastungen wirken sich unmittelbar auf das Arbeitsleben aus. Betroffene Mitarbeitende verzeichnen deutlich höhere Produktivitätsverluste, sind häufiger von Burnout betroffen, zeigen eine stärkere Wechselbereitschaft und blicken deutlich skeptischer auf ihre finanzielle Situation im Ruhestand.
Trotz einer insgesamt stabilen wirtschaftlichen Lage fühlen sich viele Beschäftigte finanziell unsicher. Die größere Sorge gilt dabei nicht den kurzfristigen Ausgaben, sondern der langfristigen Absicherung des eigenen Lebensstandards.
Altersvorsorge als Fundament finanzieller Sicherheit
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel beim Thema Altersvorsorge. Viele Beschäftigte blicken mit zunehmender Sorge auf ihre finanzielle Situation im Ruhestand. Zwei Drittel (66 Prozent) befürchten Leistungskürzungen bestehender Vorsorgesysteme. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) sieht steigende Lebenshaltungskosten als größte Herausforderung für die Zeit nach dem Berufsleben, und 44 Prozent gehen davon aus, finanziell schlechter gestellt zu sein als die Generation ihrer Eltern.
Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die betriebliche Altersversorgung (bAV) zunehmend von einem klassischen Zusatzangebot zu einem zentralen Baustein finanzieller Sicherheit. Gemeinsam mit Gesundheitsleistungen und Maßnahmen zur finanziellen Absicherung wird sie von Beschäftigten immer stärker als Teil eines umfassenden Vorsorgekonzepts wahrgenommen. Unternehmen, die hier überzeugende Angebote schaffen, leisten nicht nur einen Beitrag zur finanziellen Resilienz ihrer Belegschaft, sondern stärken zugleich ihre Attraktivität als Arbeitgeber.
Entscheidend ist die Erlebbarkeit von Benefits
Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie: Der Wettbewerbsvorteil eines nachhaltigen Benefits-Angebotes entsteht immer weniger durch das reine Vorhandensein eines Benefits. Die Zusatzleistungen müssen erlebbar sein und den Mitarbeitenden spürbaren Nutzen stiften.
Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Verständnis, Wahlfreiheit, Vertrauen und Wertschätzung der Programme deutlich an. Beschäftigte wünschen sich heute vor allem:
- verständliche Angebote,
- individuelle Wahlmöglichkeiten,
- digitale Zugänglichkeit,
- transparente Kommunikation.
Die Employee Experience wird damit zum eigentlichen Erfolgsfaktor.
Von Benefits zu einem integrierten Ökosystem für Sicherheit und Vorsorge
Die Ergebnisse der GBAS 2026 verdeutlichen einen grundlegenden Wandel in den Erwartungen der Beschäftigten: Gefragt sind heute weniger einzelne Benefits. Entscheidend ist vielmehr ein ganzheitliches System, das Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit vermittelt. Im Mittelpunkt steht das Bedürfnis nach umfassender Unterstützung in allen wesentlichen Lebens- und Arbeitssituationen.
Dieses Ökosystem umfasst vor allem die finanzielle Absicherung, den Zugang zu Gesundheitsleistungen, eine verlässliche Altersvorsorge, attraktive Entwicklungsmöglichkeiten sowie die notwendige Flexibilität, um den Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt gerecht zu werden. Ebenso spielen Beschäftigungsfähigkeit und berufliche Zukunftsperspektiven eine immer wichtigere Rolle.
Für Arbeitgeber bedeutet das einen Perspektivenwechsel: Benefits sind nicht länger als isolierte Einzelmaßnahmen zu betrachten. Erst das Zusammenspiel von Sicherheit, Gesundheit, Entwicklung und Flexibilität schafft eine überzeugende Employee Value Proposition und stärkt nachhaltig Engagement, Bindung und Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Oder anders formuliert: Die vielleicht wichtigste Botschaft der GBAS 2026 lautet, dass Beschäftigte heute weniger auf Optimierung und mehr auf Resilienz setzen. Der Wunsch nach Sicherheit ist zurück.
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GBAS 2026: Neue Erkenntnisse zu Mitarbeitererwartungen in Deutschland






