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Pensionwerke entwickeln sich im ersten Halbjahr 2026 robust

German Pension Finance Watch 2. Quartal 2026

Autor

Hanne Borst,
Dr. Johannes Heiniz und
Nikolaus Schmidt-Narischkin
19. August 2026

Nachdem das Jahr 2025 von einem deutlichen Anstieg des internationalen Rechnungszinses geprägt war, verlief der Beginn des Jahres 2026 ruhiger. Im Vorjahr waren der relevante Rechnungszins in der Eurozone und ande-ren bedeutenden Währungsräumen um rund 70 bis 100 Basispunkte gestiegen. Für viele Unternehmen bedeutete dies eine spürbare Entlastung der Bilanzen: Allein durch das höhere Zinsniveau gingen die Brutto-Pensionsverpflichtungen (DBO) um etwa 8 % bis 20 % zurück. Zu Beginn des Jahres 2026 schien sich das Zinsniveau zu stabilisieren. Sowohl im Januar als auch im Februar bewegte sich der internationale Rechnungszins kaum und verharrte nahezu auf dem Niveau der jeweiligen Vormonate. Die Kapitalmärkte gingen damals davon aus, dass sich die Inflation weitgehend eingependelt hatte und größere Änderungen der Geldpolitik zunächst nicht zu erwarten waren.

Ab März änderte sich das Bild jedoch merklich. Die zunehmenden Spannungen im Nahen und Mittleren Osten sorgten für erhebliche Verunsicherung an den Finanzmärkten. Insbesondere die Preise fossiler Energieträger zogen deutlich an und nährten die Sorge vor einem erneuten Inflationsschub. In der Folge rechneten Investoren wieder verstärkt mit einer restriktiveren Geldpolitik.

Diese Erwartungen spiegelten sich auch in den Maßnahmen der Notenbanken wider. Die Europäische Zentralbank erhöhte im Juni ihren Leitzins seit September 2023 erstmals wieder um 25 Basispunkte. Für die zweite Jahreshälfte rechnen die Märkte mit weiteren Zinsschritten.

Auch in den USA hat sich das Bild gewandelt: Die noch zu Jahresbeginn erwarteten Zinssenkungen der Federal Reserve gelten inzwischen als wenig wahrscheinlich.

Insgesamt konnte der internationale Rechnungszins in der ersten Jahreshälfte auf Grund der Entwicklungen einen Anstieg von 10 Basispunkten auf 4,20 Prozent verzeichnen.

Die Pensionsverpflichtungen der DAX- bzw. MDAX-Unternehmen fielen deshalb seit Jahresbeginn um ca. 1 Prozent auf 291,6 Mrd. Euro bzw. 64,4 Mrd. Euro.

Trotz dieser temporären und teilweise deutlichen Volatilitäten infolge der geopolitischen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten sowie fortbestehender Unsicherheiten hinsichtlich der internationalen Handels- und Zollpolitik entwickelten sich die globalen Aktienmärkte in der ersten Jahreshälfte 2026 insgesamt positiv. Auch die Anleihenmärkte sowie die weiteren Assetklassen zeigten sich angesichts der herausfordernden politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen robust. Insgesamt erwiesen sich die Kapitalmärkte im ersten Halbjahr 2026 als widerstandsfähig. Die insgesamt positive Entwicklung am Kapitalmarkt führte im ersten Halbjahr 2026 zu einem Zuwachs bei den Planvermögen von 3,5 Prozent auf 264,9 Mrd. Euro (DAX) bzw. 4,7 Prozent auf 47,1 Mrd. Euro (MDAX).

Trotz der zwischenzeitlich hohen Volatilität an den Kapitalmärkten haben sich die deutschen Pensionswerke im ersten Halbjahr 2026 bemerkenswert robust entwickelt. Getragen von der Erholung der Kapitalmärkte und dem weiterhin erhöhten Zinsniveau erreichten die Ausfinanzierungsgrade vieler Pensionspläne zum Halbjahr erneut sehr hohe Werte.”
Hanne BorstHead of Retirement Germany

Durch den Rückgang der Pensionsverpflichtungen und die positive Entwicklung des Kapitalmarkts, profitierte auch der Ausfinanzierungsgrad und erreichte einen neuen Höchststand. Für die DAX-Unternehmen ergibt sich zur Jahresmitte ein Ausfinanzierungsgrad von 90,8 Prozent (87,0 Prozent Ende 2025) und 73,2 Prozent (69,6 Prozent Ende 2025) für die MDAX-Unternehmen.

Vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten sowie der damit verbundenen Schwankungen an den Kapitalmärkten bleibt eine kontinuierliche Überprüfung und Steuerung der Pensionssysteme für die Unternehmen von zentraler Bedeutung.

Kapitalmärkte widerstandsfähig – Rechnungszins bleibt auf hohem Niveau

Der internationale Rechnungszins entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 insgesamt stabil auf einem gegenüber dem Vorjahr erhöhten Niveau. Ausschlaggebend hierfür waren weiterhin vergleichsweise hohe Renditen langlaufender Unternehmens- und Staatsanleihen sowie die vorsichtige Geldpolitik der großen Notenbanken. Die Kapitalmärkte haben ihre Erwartungen hinsichtlich eines raschen Rückgangs der Leitzinsen in den vergangenen Monaten revidiert, wodurch der Rechnungszins auf einem robusten Niveau verharren bzw. sogar leicht zulegen konnte.

Während die US-Wirtschaft weiterhin von hohen Investitionen, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, profitiert, bleibt die wirtschaftliche Entwicklung in Europa verhalten. Gleichzeitig sorgen geopolitische Konflikte, insbesondere im Nahen Osten und in der Ukraine, sowie handelspolitische Unsicherheiten für ein anspruchsvolles Marktumfeld. Trotz dieser Herausforderungen erwiesen sich die Kapitalmärkte im ersten Halbjahr 2026 als bemerkenswert widerstandsfähig. Gleichwohl ist auch für die kommenden Monate mit erhöhten Schwankungen an den Kapitalmärkten zu rechnen.

Auf Grund des hohen Ausfinanzierungsgrads vieler deutscher Pensionswerke, beschäftigen sich Unternehmen verstärkt mit der Möglichkeit, ihre Pensionsrisiken strategisch neu auszurichten und den erreichten Finanzierungsstatus dauerhaft zu stabilisieren. Neben Pension Buy-outs und anderen De-Risking-Maßnahmen rücken dabei besonders die Implementierung von Liability- und/oder Cashflow Driven-Investmentstrategien in den Fokus.

Wie beeinflussen aktuelle Entwicklungen in den Kapitalmärkten die Pensionspläne in Deutsch-land? Dieser Frage geht die vorliegende Modell-berechnung anhand von drei Benchmark-Pensionsplänen nach: jeweils einem für den DAX und MDAX typischen Pensionsplan sowie einem Pensionsplan, der zum Stichtag 31.12.2003 vollständig ausfinanziert war und laufend in Höhe der neu erdienten Ansprüche dotiert wird (100%-Plan). Die Analyse ergänzt die Studien von WTW zu den Auswirkungen der Kapitalmarktent-wicklungen auf US-amerikanische Benchmark-Pensionspläne (WTW US Pension Finance Watch)und weltweite Benchmark-Pensionspläne (WTW Global Pension Finance Watch).

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Autoren

Hanne Borst, Head of Retirement Germany/Austria

Hanne Borst

Head of Retirement Germany/Austria

Dr. Johannes Heiniz, Head of General Consulting Germany und Geschäftsführer WTW Pension Buyout Solution

Dr. Johannes Heiniz

Head of General Consulting Germany und Geschäftsführer WTW Pension Buyout Solution

Nikolaus Schmidt-Narischkin, Chief Commercial Officer, Head of Growth D-A-CH

Nikolaus Schmidt-Narischkin

Chief Commercial Officer,
Head of Growth D-A-CH

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