
Die Pensionswerke der DAX‑Unternehmen haben 2025 einen Rekord erreicht. Mit 87 Prozent lag der Deckungsgrad so hoch wie nie zuvor und übertraf das ohnehin schon starke Vorjahresniveau nochmals deutlich. Dies belegt die WTW-Studie Pensionswerke im DAX 2025. Dieser Erfolg war keinesfalls selbstverständlich. Geopolitische Spannungen, die wirtschaftliche Unsicherheit und die aktuelle Volatilität der Kapitalmärkte machen deutlich, dass Unternehmen ihre Pensionswerke aktiv managen müssen, um diesen Ausfinanzierungsgrad langfristig zu halten.
Anpassung der Investmentstrategie
Eine zentrale Stellschraube bleibt die Kapitalanlage. Im Angesicht schwankender Zinsen lässt ein hoher Grad der Ausfinanzierung es nachgerade zwingend erscheinen, die Zinssensitivität von Vermögenswerten und Verpflichtungen eng aufeinander abzustimmen. Liability‑Driven‑Investment‑Ansätze helfen, die Auswirkungen erwartbarer Zinsänderungen auf den Ausfinanzierungsgrad zu begrenzen und die Bilanzvolatilität zu reduzieren.
Mit dem Reifegrad der Pensionswerke wächst der Umfang monatlicher Rentenzahlungen und damit die Bedeutung verlässlicher Erträge und Liquidität. Aktuell höhere Renditen steigern die Attraktivität des Einsatzes s.g. „Cashflow-Driven-Investmentstrategien“ (CDI) und damit von Anlageklassen, die verlässlich z.B. Couponzahlungen generieren. Zu Ihnen gehören Anleihen mit Investmentgradestatus, aber auch Infrastrukturkredite oder das Investment in Immobilien mit langfristigen Mietverträgen. Sie alle eignen sich besonders zur Hinterlegung älterer Pensionspläne, die noch feste Zinsversprechen enthalten und daher eine stabile Ertragsbasis benötigen. Auch wenn Marktbedingungen für „return seeking assets“ gut zu sein scheinen, sollten Unternehmen ihre Kernabsicherungen beibehalten und nur dort Wachstumspositionen eingehen, wo dies zur eigenen Risikotragfähigkeit passt. Eine ausgewogene Kombination aus Absicherung und selektiver Renditeorientierung stärkt die Resilienz des Pensionsvermögens.
De‑Risking durch Pension Buyouts
Neben der Optimierung der Kapitalanlage gewinnt ein zweiter Ansatz zunehmend an Bedeutung: die Übertragung von Pensionsverpflichtungen auf spezialisierte Erwerber. Ein schon vor Jahren etablierter Zwischenschritt ist die Gründung einer Rentnergesellschaft. Auf diese übertragen Unternehmen ihre Verpflichtungen gegenüber Rentnern und unverfallbar ausgeschiedenen Mitarbeitenden, um sich auf M&A Aktivitäten vorzubereiten oder operatives Geschäft trennscharf von anderen Aktivitäten abzugrenzen. Diese Übertragung erfolgt in der Regel per Spaltung nach § 123 UmwG.
Relativ neu für den deutschen Markt ist die anschließende Veräußerung der Rentnergesellschaft an einen spezialisierten Anbieter, der die rechtlich befreiende Übernahme der Versorgungsverbindlichkeiten zu seinem Geschäftszweck gemacht hat. Der Erwerber übernimmt nicht nur die Administration der Zusagen, sondern auch sämtliche arbeitsrechtlichen, biometrischen und finanziellen Risiken.
Zinsänderungen, Langlebigkeit, Inflation, Kapitalmarktschwankungen – all diese Risiken, die bislang die Bilanz des Unternehmens belasteten und seine Steuerung erschwerten, gehen vollständig auf den Anbieter über. Die damit geschaffene Enthaftung ist konsequent und geht weit über das hinaus, was sich mit CTA oder Pensionsfonds als tradierten Strategien zur Mitigation von bAV-Risiken erreichen ließ: das Unternehmen wird dauerhaft von der Komplexität, den Unsicherheiten und den langfristigen Verpflichtungen der betrieblichen Altersversorgung befreit. Gleichzeitig schafft der Buyout Planungssicherheit, verbessert Kennzahlen wie EBITDA und Free Cashflow und reduziert erforderliche Budgets für Governance sowie interne Ressourcenbindung.
Die Übertragung unterliegt nicht dem Versicherungsaufsichtsrecht, sondern orientiert sich an arbeits‑, umwandlungs‑ und gesellschaftsrechtlichen Vorgaben. Die Zustimmung der Versorgungsberechtigten ist nicht erforderlich, weil ihre rechtliche Situation völlig unverändert bleibt: der Leistungsumfang sowie die Verpflichtung zu deren Erbringung bestehen fort, die der Rentenzahlung zugrunde liegende Pensionszusage aber auch deren lohnsteuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung ändern sich nicht. In vielen Fällen profitieren die Rentner sogar, weil durch die Übertragung erstmals eine vollständige Kapitaldeckung der zugesagten Leistungen erreicht wird und damit eine höhere finanzielle Stabilität entsteht.
Das Ganze funktioniert dann, wenn der übernehmende Dienstleister und seine beauftragten Spezialisten Erfolg bei der fortlaufenden Veranlagung der initial übertragenen Mittel haben. Für die Verwaltung der finanziellen Ausstattung müssen angemessene Governance‑Strukturen implementiert werden, die ein wirksames Monitoring, eine klare Steuerung und ein belastbares Controlling sicherstellen. Regelmäßige Überprüfungen der Kapitalanlage sind unerlässlich. Nicht allein Ziel, sondern einziger Daseinszweck der aufnehmenden Gesellschaft ist es, alle bestehenden Verpflichtungen über ihre gesamte Laufzeit vollständig bedienen zu können. Die optimale Struktur der strategischen Asset Allokation kann sich abhängig von der finanziellen Situation der Gesellschaft und der externen Marktentwicklung dabei im Zeitverlauf verändern. Daher sind systematische ALM‑Prozesse regelmäßig und in angemessenen Abständen durchzuführen, um veränderte Bestands‑ und Marktgegebenheiten frühzeitig zu erkennen und in der Kapitalanlage zu berücksichtigen.
Der historisch hohe Ausfinanzierungsgrad der DAX‑Pensionswerke ist ein Erfolg. Viele Unternehmen stellen sich die Frage, wie dieser Zustand abgesichert werden kann. Sie haben dabei vielfältige Möglichkeiten, um ihre Pensionsrisiken zu reduzieren. Eine zeitgemäße, risikoadäquate und sich an internationalen Vorbildern orientierende Investmentstrategie aber auch strukturelle Maßnahmen wie Pension-Buyouts sind attraktive Optionen. Beide Ansätze ergänzen sich und ermöglichen es, finanzielle Stabilität und strategische Flexibilität auch in einem zunehmend unsicheren Umfeld zu bewahren.



