
Wenn wir an Frauengesundheit denken, kommen uns meist Themen wie Hormone, Fruchtbarkeit oder die Menopause in den Sinn. Ein entscheidender Aspekt wird jedoch noch immer häufig unterschätzt: die Herzgesundheit.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen. Rund jede dritte Frau stirbt daran[1]. Dennoch ist das Bewusstsein für dieses Risiko nach wie vor vergleichsweise gering, und viele Frauen erkennen Warnsignale oder Risikofaktoren nicht frühzeitig.

Warum Herzgesundheit Frauen besonders betrifft
Herzkrankheiten galten lange Zeit als typisches «Männerproblem». Dieses Bild ist heute überholt.
Frauen:
- Erhalten häufig später oder gar keine frühzeitige Diagnose
- Zeigen oftmals andere oder weniger eindeutige Symptome
- Sind in der medizinischen Forschung und in klinischen Studien nach wie vor unterrepräsentiert
Dadurch werden Warnsignale häufiger übersehen oder medizinische Hilfe erst verspätet in Anspruch genommen.

Es geht nicht nur ums Alter – sondern um die Lebensphasen
Die Herzgesundheit von Frauen wird durch verschiedene Lebensphasen beeinflusst. Je nach Alter und Lebenssituation verändern sich auch die Risikofaktoren.

Schwangerschaft und frühes Esrwachsenenalter
Bestimmte Komplikationen während der Schwangerschaft – beispielsweise Bluthochdruck – können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben erhöhen[2].

Lebensmitte und Menopause
Mit der Menopause sinkt der Östrogenspiegel. Gleichzeitig können die Blutgefässe an Elastizität verlieren und Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte zunehmen[3]. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dieser Lebensphase deutlich an.

Höheres Alter
Frauen entwickeln Herzkrankheiten im Durchschnitt später als Männer. Dennoch bestehen auch im höheren Alter Unterschiede bei Symptomen, Diagnosestellung und Behandlungsergebnissen[4].

Warnsignale erkennen: Die Symptome können anders sein
Ein Herzinfarkt äussert sich bei Frauen nicht immer durch die «klassischen» Brustschmerzen. Neben Beschwerden im Brustbereich können auch folgende Symptome auftreten3.
- Ungewöhnliche oder ausgeprägte Müdigkeit
- Atemnot
- Übelkeit oder Schwindel
- Schmerzen im Rücken, Nacken oder Kiefer
Da diese Beschwerden häufig unspezifisch sind, ist es wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei ungewöhnlichen Symptomen frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Alltag und Lebensstil spielen eine entscheidende Rolle
Die gute Nachricht: Viele der wichtigsten Risikofaktoren lassen sich aktiv beeinflussen. Dazu gehören[5]:
- Bewegungsmangel
- unausgewogene Ernährung
- Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum
- Unzureichender Schlaf
- Anhaltender Stress
Auch unsere Arbeits- und Lebensgewohnheiten haben einen grossen Einfluss. Lange Arbeitszeiten, viele Stunden vor dem Bildschirm und die Herausforderung, Beruf, Familie und Privatleben miteinander zu vereinbaren, können diese Risikofaktoren zusätzlich verstärken.
Zudem zeigen immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse, dass psychosozialer Stress das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen erhöht. Dies verdeutlicht, wie eng körperliche und mentale Gesundheit miteinander verbunden sind[6].

Was Sie für Ihre Herzgesundheit tun können
Für ein gesundes Herz braucht es keine Perfektion. Bereits kleine, konsequent umgesetzte Veränderungen können langfristig einen grossen Unterschied machen. Hilfreiche Massnahmen sind beispielsweise:
- Regelmässig bewegen: Schon tägliche Spaziergänge wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus
- Ausreichend schlafen: Achten Sie möglichst auf einen regelmässigen und erholsamen Schlaf
- Gesundheitswerte im Blick behalten: Lassen Sie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker regelmässig kontrollieren
- Stress aktiv begegnen: Planen Sie bewusst Erholungspausen ein, setzen Sie klare Grenzen und nutzen Sie Unterstützung, wenn nötig
- Die eigene Vorgeschichte kennen: Dazu gehören auch Schwangerschaftskomplikationen sowie familiäre Risikofaktoren
Je früher gesunde Gewohnheiten etabliert werden, desto grösser ist ihr langfristiger Nutzen für die Herzgesundheit.
Fazit
Herzgesundheit ist in jeder Lebensphase wichtig. Wer Warnsignale kennt, persönliche Risikofaktoren versteht und frühzeitig vorbeugende Massnahmen ergreift, kann seine langfristige Gesundheit entscheidend stärken.
Schon kleine Veränderungen im Alltag können langfristig einen positiven Unterschied machen – für die eigene Gesundheit, aber auch für Familie und Umfeld.
Haftungsausschluss
Referenz
- American College of Cardiology (2024). Addressing Global Burden of CVD in Women: Key Points. Zur Textstelle
- The Menopause Society (2024). Some Adverse Pregnancy Outcomes May Increase Risk of Heart Disease Later in Life. Zur Textstelle
- American Heart Association (2023). The Connection Between Menopause and Cardiovascular Disease Risks. Zur Textstelle
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (2024). About Women and Heart Disease. Zur Textstelle
- World Health Organization (2025). Cardiovascular diseases (CVDs) – Fact Sheet. Zur Textstelle
- Springer (2025). The Bidirectionality of Psychosocial Stress and Cardiovascular Disease Risk in Women; Recognition and Strategies for Management. Zur Textstelle





