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Artikel | Risk Perspectives

Haftpflichtversicherung in der Chemieindustrie

MarktSpot 2023

Von Olga Losing-Malota | 24. August 2023

Die Haftpflicht-Renewals bringen Chemieunternehmen nur wenig Entlastung. Um sich dennoch ausreichend abzusichern, sollten Unternehmen eine Kombination aus mehreren Märkten erwägen und ihre Policen überprüfen. Die gute Nachricht: Entspannung ist in Sicht.
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Ein Unternehmen aus der chemischen Industrie trifft in der Haftpflichtversicherung auf vier Haftpflichtversicherungsmärkte:

  • Allgemeine Haftpflichtversicherer (sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene), die Chemie als Teil ihres breiteren Portfolios versichern
  • Spezialisierte Chemie-Haftpflichtversicherer, die in der Lage sind, das Gesamtspektrum der Aktivitäten eines sogenannten Energy-Versicherers sowohl On- als auch Offshore zu zeichnen
  • Marine-/Upstream-Versicherer mit Schwerpunkt auf Offshore E&P und Marine-Aktivitäten
  • Versicherer mit Sitz auf den Bermudas und in Dublin, die eine breite Palette von Aktivitäten auf der Grundlage einer „Per Occurrence Reported“-Police versichern können

Je nach Risiko- und Tätigkeitsprofil (Upstream, Downstream, Fully Integrated usw.) und der Höhe der erforderlichen Versicherungssumme müssen Unternehmen möglicherweise eine Kombination aus mehreren Haftpflichtmärkten in Anspruch nehmen. Jeder dieser Märkte hat andere Einflussfaktoren und Schadenereignisse, die sich unterschiedlich auf die Bewertung der Erneuerungsrunde auswirken.

  1. 01

    Die Versicherer des allgemeinen Haftpflichtmarktes teilen die Schadenerfahrung der spezialisierten Chemie-Haftpflichtversicherer, ihre breitere Prämieneinnahmebasis aber mildert die Auswirkungen von Schadenersatzansprüchen aus der Chemiebranche. Jedoch führt die Verfügbarkeit lokaler Marktkapazitäten auch zu einem stärkeren Wettbewerb, sodass die Erneuerungspreise in diesem Marktsektor in der Regel im mittleren einstelligen Bereich liegen.


  2. 02

    Spezialisierte Chemie-Haftpflichtversicherer sind stärker auf ein breiteres Spektrum von Schäden im Energiebereich, einschließlich Offshore-Schäden, ausgerichtet. Ihre Erneuerungsraten bewegen sich in der Regel im mittleren bis hohen einstelligen Bereich.


  3. 03

    Der Marine-/Upstream-Markt wurde besonders durch die Ergebnisse des Protection-and-Indemnity-Portfolios (P&I) beeinträchtigt, was Druck auf eigene Vertragserneuerungen in der Rückversicherung ausgeübt hat. Infolgedessen verlangen die Versicherer hohe einstellige bis zweistellige Erhöhungen für ihre direkten Upstream-Energy-Programme. Dies spiegelt sich in ähnlicher Weise im P&I-Sektor wider, wenn auch mit einer gewissen Abschwächung im Vergleich zum Vorjahr.


  4. 04

    Excess-Layer-Versicherer mit Sitz auf den Bermudas und in Dublin meldeten mit zweistelligen Prozentsätzen die größten Erhöhungen bei der Erneuerung. Der Grund: Die Inflation hat sich unverhältnismäßig negativ auf die Schadenquoten ausgewirkt.


Die Dynamik ist vielfältig und komplex. Unternehmen werden daher je nach Risikoprofil, Deckungsbedarf und Märkten, zu denen sie Zugang haben, unterschiedliche Erfahrungen mit der Erneuerung machen.

Unabhängig von den verschiedenen Versicherungsmärkten gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die das Verhalten des Haftpflichtversicherungsmarktes bestimmen. Dazu zählt der Preisdruck, der vor allem von folgenden Faktoren bestimmt wird:

  • Erhöhte Vertragskosten
  • Wirtschaftliche Inflation
  • Soziale Inflation
  • Ungünstige Entwicklung der Vorschäden/unzureichende Reservierung

Diese Faktoren lassen sich abschwächen durch:

  1. Erhöhung der Kapazitäten im globalen Markt
  2. Größere Marktauswahl / Wettbewerbsvergleich

Kapazitäten steigen wieder

Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren des Rückgangs steigt die Gesamtkapazität im globalen Haftpflichtmarkt wieder leicht an, da eine Handvoll neuer Versicherer und MGAs in den Markt eingetreten sind. Dadurch ist sowohl die theoretische Gesamtkapazität (3,10 Mrd. USD) als auch die tatsächlich vorhandene Kapazität (mehr als 900 Mio. USD) gestiegen.

Teurere Prämien bei Rückversicherungsverträgen

Auch die Erneuerungen der Haftpflicht-Rückversicherungsverträge waren schwierig. Hier gab es ebenfalls Prämienerhöhungen, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie in der Rückversicherung der Sachsparte. Nichtsdestotrotz waren einstellige bis niedrige zweistellige Erhöhungen die Regel, wobei Verträge mit Schadenlast deutlich mehr bezahlten. Es bleibt die Frage zu klären, welchen Anteil dieser Kosten die betroffenen Haftpflichtversicherer an die Endkunden weitergeben werden. Hoher Druck durch wirtschaftliche und soziale Inflation Der Einfluss der wirtschaftlichen Inflation ist auch in der Haftpflichtversicherung spürbar. Aufgrund der gestiegenen Kosten muss bei vielen Schadenereignissen nachreserviert werden. Als Reaktion darauf wenden viele Versicherer bei ihren Erneuerungen einen Basisinflationszuschlag an. Hinzu kommt die soziale Inflation. Zunehmende Rechtsstreitigkeiten, breit gefasste Haftungsdefinitionen, klägerfreundliche Gerichtsentscheidungen, die Verbreitung von Erfolgshonoraren und ein erheblicher Anstieg der durchschnittlichen Geschworenenentschädigung haben zur Häufigkeit und dem Umfang von Haftungsansprüchen beigetragen.

Am deutlichsten ist diese Entwicklung in den Vereinigten Staaten zu beobachten, wo sich die Entschädigungen für die wichtigsten US-Schiedsgerichtsurteile innerhalb von fünf Jahren mehr als verdreifacht haben – dieser Trend ist aber auch weltweit zu beobachten.

Nachhaltige Kapazitäten nur zu bestimmten Konditionen

Die immer stärkere Fokussierung auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, also ESG-Konformität, stellt Haftpflichtversicherer und Unternehmen vor Herausforderungen und Chancen zugleich. Klar ist, dass alle Versicherer motiviert sind, Unternehmen zu unterstützen, die einen Plan für die Energiewende und eine starke ESG-Bilanz haben.

Neben ESG-Themen und einer verstärkten Prüfung von Sanktionen sind die häufigsten Trends bei der Deckung die immer breiteren Ausschlüsse in Bezug auf PFAS (Perfluoralkyl und Perfluoralkylsubstanzen) und die Haftung für den Klimawandel. Versicherer schreiben zunehmend Klimahaftungsausschlüsse vor, was durch das jüngste JL London Umbrella-Formular JL2022- 016 deutlich wird, das unter anderem Ausschlüsse in Bezug auf PFAS und Klimawandel enthält.

Sind solche Ausschlüsse nicht zu vermeiden, sollte ihre Anwendung klar definiert und begrenzt sein, um unbeabsichtigte Folgen zu umgehen. So könnte beispielsweise eine lose definierte Klimawandelklausel, die Treibhausgase ausschließt, möglicherweise die Haftung für eine Methangasexplosion ausschließen, obwohl dies eindeutig nicht beabsichtigt ist. Konsistenz und Klarheit des Versicherungsschutzes sind daher nach wie vor wichtige Anliegen für Makler und Kunden.


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