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Artikel | Risk Perspectives

Die automatisierte Risikoaustauschplattform wird kommen

MarktSpot 2023

Von Olga Losing-Malota | 28. August 2023

Olga-Losing-Malota, Head of Broking DACH bei WTW, über den Zeitplan, die Vorteile und warum jeder Marktteilnehmer seinen Beitrag zur automatisierten Risikoaustauschplattform leisten kann.
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Frau Losing-Malota, die Risikolandschaft für Unternehmen ist heute komplexer als früher. Das erschwert auch die Risikoanalyse. Was bedeutet das für Ihre Kunden, die versicherungsnehmenden Unternehmen?

Diese Entwicklung spüren die Unternehmen genau: Sie werden nun seit Jahren mit einem harten Markt konfrontiert und sind sich häufig unsicher über ihre eigene Risikosituation. Zugleich erkennen sie, dass sie immer mehr Daten liefern müssen, um von ihrem Versicherer überhaupt ein Angebot und dann auch eine lückenlose Deckung zu erhalten.

Ein immer höherer Datenbedarf – warum ist das notwendig?

Industrieversicherer müssen eine Prämie kalkulieren, die für sie auskömmlich und aus Sicht des Versicherungsnehmers akzeptabel ist. Bei wenigen Risiken ist das aufgrund von Erfahrungswerten möglich und kaum Schwankungen unterlegen.

Zunehmend begegnen uns Risiken, die neu sind – der Klimawandel, die Digitalisierung oder die Gefährdung von weltweiten Lieferketten. Aber es gibt auch Risiken, die sich in den letzten Jahren deutlich exponierter entwickelt haben, beispielsweise in der Cyber-Versicherung. In solchen Fällen ist eine lückenlose Absicherung nur noch dann möglich, wenn wir die individuelle Gefahrenlage eines Unternehmens sehr genau kennen. Andernfalls wird der Versicherer ein Risiko automatisch höher bewerten, das heißt die Prämie höher ansetzen, oder im schlimmsten Fall das Risiko aufgrund von fehlender Daten nicht zeichnen.

Außerdem läuft uns im Angebots- oder Renewal-Prozess häufig die Zeit davon. Das Zusammenstellen und Auswerten von Daten frisst Zeit und Ressourcen, aber: je genauer ein Kunde Daten liefern kann, desto schneller erhält er eine Rückmeldung vom Versicherer.

Zeit ist ein wichtiger Faktor – wie lässt sich die aufwendige Risikoanalyse effizienter gestalten?

Wir könnten schon heute durch Automatisierung viel Zeit einsparen. Schon lange sprechen wir über automatisierte Risikoaustauschplattformen, die die bisherige manuelle Dateneingabe und -pflege ersetzen können – und werden!

Zunächst müssen wir uns von der fehleranfälligen Übertragung von einem Programm ins nächste verabschieden. Wir brauchen außerdem mehr Individualität: Die Risikoanalyse für Unternehmen A passt nicht automatisch für Unternehmen B.

Nur wenn wir vergleichbare Daten sehr vieler Unternehmen zugrunde legen können, lässt sich ein Risiko schnell und solide bewerten. Wir brauchen also Standards, die wiederum Individualität ermöglichen.

Also ist „eine Plattform für alle“ die Lösung?

Ja, denn was liegt näher, als sich als Branche auf Plattformen besser zu vernetzen? Dort könnte der Austausch von Risikodaten und die Kommunikation zwischen Makler, Kunde und Versicherer in einem kohärenten Umfeld erfolgen.

Für die notwendige Transformation wäre das ein wichtiger Baustein.

WTW steht mit der globalen Einführung seiner „Broking Platform“ kurz vor der Realisierung eines solch wichtigen ersten Schritts. Wann wird die lang diskutierte Vision zur Wirklichkeit?

Unsere Plattform wird bereits in einigen Ländern genutzt. Wir bereiten sie derzeit auf die Marktgegebenheiten in Deutschland vor und gehen Anfang 2024 damit an den Start. Dann werden wir sie zunächst für den reinen Risikoaustausch nutzen und von dort aus stetig weiterentwickeln.

Denn eines ist wichtig: Wir befinden uns in einem Prozess – wenn wir nicht alle an einem Strang ziehen, werden wir es nicht schaffen, Risiken besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen über ihren Transfer zu treffen.

Welche Vorteile sehen Sie für die Marktteilnehmer?

Ich möchte drei Vorteile hervorheben:

  1. Datenüberblick: Teilnehmende Unternehmen können jederzeit auf bereits erfasste Risikodaten zugreifen und diese aktuell halten. Sie haben den Überblick über bestehende Policen, aktuelle Schadenfälle und – sofern sie bereit sind – auf ein Benchmarking ähnlich ausgerichteter Unternehmen.
  2. Zeitfaktor: Von der Broking Platform greifen wir außerdem auf weitere Risiko-Tools und Daten-Pools zu, so dass wir bzw. die Versicherer viel schneller mit der Risikoanalyse starten können. Zugleich können die teilnehmenden Unternehmen ihre Risiken durch die Vernetzung mit unseren Risk & Analytics Tools schneller aktuarisch analysieren lassen.
  3. Fehlerreduzierung: Daten auf einer digitalen Plattform zu verwalten, sollte im 21. Jahrhundert der Standard und kein Novum sein. Wir vermeiden Übertragungsfehler, die wir heute beim Verschieben von einem System ins andere ständig haben; wir vermeiden aber auch menschliche Fehler oder Missverständnisse, die normal sind bei manuellen Prozessen.

Sie schaffen damit einen Standard, von dem der gesamte Markt profitieren kann.

Es stimmt: Wir schaffen hiermit eine bislang einzigartige, digitale Lösung für den Risikoaustausch.

Welchen Beitrag erwarten Sie von den Unternehmen selbst?

Was wir von allen Beteiligten erwarten, ist, diesen mutigen Schritt gemeinsam mit uns zu gehen. Dazu gehört, sich zu öffnen für vollständig digitale Prozesse, sich von alten Gewohnheiten auch mal zu verabschieden. Dies erfordert in der gesamten Branche ein Umdenken. Wir müssen verstehen, dass Transparenz, Vertrauen, Technik und Datenschutz Hand in Hand gehen.

Die Plattform ist offen für alle Organisationen, die Teil eines modernen Risikomanagements sein wollen. Sie werden von zusätzlichen Features und einer immer besseren Datenqualität profitieren. Damit das möglich ist, muss jeder seinen Teil beitragen.

Ihr Kontakt

Head of Broking DACH

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