FRANKFURT AM MAIN, 19. August 2026 – Die deutschen Pensionswerke haben im ersten Halbjahr 2026 eine neue Schwelle überschritten: Der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Unternehmen stieg zur Jahresmitte auf 90,8 Prozent – erstmals über die 90-Prozent-Marke und der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen (87 Prozent Ende 2025). Auch die MDAX-Unternehmen verbesserten sich deutlich auf 73,2 Prozent (69,6 Prozent Ende 2025). Treiber waren ein leichter Anstieg des internationalen Rechnungszinses um zehn Basispunkte auf 4,20 Prozent sowie eine insgesamt positive Entwicklung der Kapitalmärkte. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Modellberechnung „German Pension Finance Watch" der Unternehmensberatung WTW.
„Trotz der zwischenzeitlich hohen Volatilität an den Kapitalmärkten haben sich die deutschen Pensionswerke im ersten Halbjahr 2026 bemerkenswert robust entwickelt. Getragen von den Kapitalmärkten und dem weiterhin erhöhten Zinsniveau erreichten die Ausfinanzierungsgrade vieler Pensionspläne zum Halbjahr erneut sehr hohe Werte", sagt Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW.
Kapitalmärkte widerstandsfähig trotz geopolitischer Belastungen
Das erste Halbjahr 2026 verlief an den Kapitalmärkten alles andere als ruhig. Zunehmende Spannungen im Nahen und Mittleren Osten sorgten ab März für erhebliche Verunsicherung. Steigende Energiepreise schürten erneut Inflationssorgen und veranlassten die Europäische Zentralbank, im Juni ihren Leitzins erstmals wieder seit September 2023 um 25 Basispunkte anzuheben. Auch die zunächst erwarteten Zinssenkungen der Federal Reserve gelten inzwischen als wenig wahrscheinlich. Dennoch erwiesen sich die Kapitalmärkte insgesamt als widerstandsfähig. Die Planvermögen der DAX-Unternehmen legten im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 264,9 Mrd. Euro zu, die MDAX-Planvermögen stiegen um 4,7 Prozent auf 47,1 Mrd. Euro. Gleichzeitig sanken die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen seit Jahresbeginn um rund 1 Prozent auf 291,6 Mrd. Euro, die der MDAX-Unternehmen auf 64,4 Mrd. Euro.
Trotz der zwischenzeitlich hohen Volatilität an den Kapitalmärkten haben sich die deutschen Pensionswerke im ersten Halbjahr 2026 bemerkenswert robust entwickelt. Getragen von den Kapitalmärkten und dem weiterhin erhöhten Zinsniveau erreichten die Ausfinanzierungsgrade vieler Pensionspläne zum Halbjahr erneut sehr hohe Werte.”Hanne BorstLeiterin Retirement Deutschland, WTW
90 Prozent als strategische Wegmarke
Der Durchbruch der 90-Prozent-Marke ist mehr als ein statistischer Rekord. Er markiert für viele Unternehmen den Übergang in eine neue strategische Phase des Pensionsmanagements. Solange der Ausfinanzierungsgrad deutlich unter diesem Niveau lag, stand die Frage im Vordergrund, wie Pensionsverpflichtungen gesichert und Risiken begrenzt werden können. Heute stellt sich eine andere Frage: Wie lässt sich der erreichte Status dauerhaft sichern und strategisch nutzen? Konkret rücken damit Pension Buy-outs, bei denen Verpflichtungen gegenüber ehemaligen Mitarbeitenden vollständig auf externe Anbieter übertragen werden, sowie weitere De-Risking-Maßnahmen in greifbare Nähe. Daneben gewinnen Liability- und/oder Cashflow Driven Investmentstrategien an Bedeutung, die darauf ausgerichtet sind, den hohen Ausfinanzierungsgrad dauerhaft zu stabilisieren.
„Ein Ausfinanzierungsgrad von über 90 Prozent verändert die Spielregeln im Pensionsmanagement. Viele Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Pensionsrisiken systematisch zu reduzieren und den erreichten Finanzierungsstatus strategisch abzusichern. Das ist eine Chance, die es aktiv zu nutzen gilt", sagt Johannes Heiniz, Leiter General Consulting Retirement bei WTW.
Ein Ausfinanzierungsgrad von über 90 Prozent verändert die Spielregeln im Pensionsmanagement. Viele Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Pensionsrisiken systematisch zu reduzieren und den erreichten Finanzierungsstatus strategisch abzusichern. Das ist eine Chance, die es aktiv zu nutzen gilt.”Johannes HeinizLeiter General Consulting Retirement bei WTW
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