Die geopolitische Neuausrichtung globaler Zollabkommen verstehen
Die Ausgabe des Political Risk Index 2. Halbjahr 2025 zeigt einen tiefgreifenden Wandel im internationalen Handel auf. Zölle entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Instrument geopolitischer Einflussnahme. Anstelle der bislang vorherrschenden regelbasierten Ordnung tritt ein System, das die wachsende Ost‑West‑Spaltung widerspiegelt. Staaten, die über Jahrzehnte als verlässliche Partner galten, bewegen sich in Richtung strategischer Neutralität, während andere ihre Bündnisse grundlegend neu definieren. Diese Entwicklungen wirken sich bereits deutlich auf Handelsabkommen, Zollstrukturen und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext aus. Für global tätige Unternehmen wird die geopolitische Positionierung damit zu einem maßgeblichen Erfolgsfaktor.
Quelle: Oxford Analytica
Die Kosten, geopolitische Trennlinien zu überwinden, haben für multinationale Unternehmen ein historisch hohes Niveau erreicht. Zölle und Exportkontrollen beeinflussen zunehmend Lieferketten, Marktzugänge und Investitionsentscheidungen. Besonders Hochtechnologie, kritische Rohstoffe und strategisch relevante Transportwege unterliegen neuen regulatorischen Beschränkungen. Ein frühzeitiges Verständnis darüber, welche Staaten künftig innerhalb oder außerhalb der Handelsbarrieren stehen, ist daher essenziell für eine belastbare Risiko- und Strategieplanung.
Die aktuelle Ausgabe ordnet verschiedene Zollabkommen klaren Kategorien zu – von sektoralen Zollentlastungen für strategische Verbündete der USA bis hin zu PTAAP‑Abkommen („Potential Tariff Adjustments for Aligned Partners“), bei denen Zollreduzierungen an nationale Sicherheitsinteressen gekoppelt sind. Darüber hinaus analysiert der Index Szenarien mit erhöhten Zolltarifen, in denen punitive Abgaben als politisches Druckmittel eingesetzt werden, sowie die Auswirkungen auf Schwellenländer, die verstärkt auf flexible „Multi‑Alignment“-Strategien setzen.
Über die klassische Zollpolitik hinaus zeigt der Index, wie umfassende geoökonomische Elemente in moderne Abkommen integriert werden – darunter Aspekte der Lieferkettensicherheit, die Harmonisierung von Exportkontrollen und die koordinierte Anwendung von Sanktionen. Dies verdeutlicht den Übergang von einer regelbasierten zu einer zunehmend zollgetriebenen internationalen Ordnung.
Wir hoffen, dass die in dieser Ausgabe enthaltenen Analysen und Länderprofile Sie dabei unterstützen, globale Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren und sowohl Chancen als auch Risiken fundiert zu bewerten. Für weitergehende Informationen zum Index oder zur strukturierten Steuerung politischer Risiken steht Ihnen unser Team jederzeit gerne zur Verfügung.