Der Digitalisierungsbedarf in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) nimmt zu. Die Gründe dafür sind vielfältig: ein steigender Verwaltungsaufwand und Fachkräftemangel im bAV-Bereich aufgrund des demografischen Wandels, höhere Ansprüche der Mitarbeitenden und Leistungsempfänger an Serviceumfang und -qualität sowie ein hoher Kostendruck. Der Schlüssel für einen schnellen Digitalisierungserfolg ist die digitale Kommunikation mit allen Beteiligten.
Die Digitalisierung der bAV-Administration gehört seit Jahren zu den Top-Themen der Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen. Dennoch gibt es in einigen Bereichen deutlichen Nachholbedarf. So kommunizieren viele Unternehmen mit ihren Mitarbeitenden nur teilweise digital und nutzen vor allem für die Kommunikation mit ausgeschiedenen Mitarbeitenden und Rentnern weiterhin analoge Medien.[1]
Warum erfolgt die Digitalisierung so schleppend?
Die bAV-Landschaft vieler Unternehmen ist historisch gewachsen, die damit verbundene Komplexität erschwert die Digitalisierung. Und bei Pensionsplänen mit kleineren Mengengerüsten ist die Amortisationszeit der notwendigen Investitionen lang; auch deshalb nennen Personalverantwortliche den Wirtschaftlichkeitsaspekt als eines der Haupthemmnisse bei der Digitalisierung. Als weitere Hemmnisse nennen sie mangelnde Ressourcen, technische Restriktionen und fehlendes Wissen.
Haupthemmnisse für die Digitalisierung:
- Komplexität durch historisch gewachsene bAV-Strukturen
- Mangelnde Ressourcen, technische Restriktionen und fehlendes Wissen
- Lange Amortisationszeit notwendiger Investitionen
Was spricht dennoch für eine zügige Digitalisierung?
Grund 1: Die Demografie macht die bAV-Administration aufwändiger
In den kommenden Jahren werden in Deutschland die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969 (die sogenannten Babyboomer) nach und nach aus dem Erwerbsleben ausscheiden – die Zahl der Erwerbstätigen sinkt und die Zahl der Rentner steigt.[2] In einigen Unternehmen werden mit dem Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge viele Beschäftigte innerhalb kurzer Zeit als Leistungsempfänger in den Ruhestand gehen. Zudem ist die Überführung in die Ruhestandsphase sehr aufwändig im Verwaltungszyklus der bAV. Insgesamt ergibt sich dabei ein hoher Informationsbedarf.
Mittelfristig nimmt der Informationsbedarf auch deshalb zu, weil das relative Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung nach Meinung vieler Experten sinken wird. Jeder Mitarbeitende wird sich noch intensiver mit der eigenen Altersvorsorge und damit auch mit der bAV auseinandersetzen. Die Bedeutung der bAV-Leistungen für den einzelnen Anwärter nimmt dabei zu. Dem entsprechenden höheren Informationsbedarf muss von den Versorgungseinrichtungen begegnet werden.
Steigender Aufwand durch demografische Veränderungen:
- Informationsbedarf für rentennahe Jahrgänge
- Mehr Versorgungsfälle
- Belastung durch Mehrfachanwartschaften
- Mehr Leistungsempfänger
Grund 2: Der bAV fehlen immer mehr Fachkräfte
Auch der bAV-Bereich ist unmittelbar vom demografischen Wandel betroffen. Glaubt man den Expertenprognosen, wird sich der Mangel an Arbeitskräften im bAV-Bereich in den nächsten Jahren durch den Rückgang der Erwerbstätigen verschärfen. Dies wirkt sich vor allem auf die bAV und deren Organisation aus:[3]
- Die schwierige Rekrutierung von bAV-Expertinnen und
-Experten deutet auf eine unausgewogene Altersstruktur der bAV-Community hin. - Die Lage wird dadurch erschwert, dass der Wissensaufbau für neue Talente aufgrund der Spezialisierung sehr lange dauert.
- Zudem fällt es der bAV-Community traditionell schwer, die Attraktivität von Arbeitsplätzen in der bAV trotz glänzender beruflicher Aussichten herauszustellen und sich von anderen Arbeitsmärkten abzuheben.
Grund 3: Die Ansprüche an die bAV haben sich geändert
Die bAV sollte auch deshalb zügig digitalisiert werden, weil sich die Ansprüche der Beschäftigten und Leistungsempfänger an den Umfang und die Qualität der Dienstleistungen grundlegend verändert haben. Verantwortlich dafür sind die Erfahrungen im Konsumgüterbereich. Hier setzen die führenden Player die Benchmarks für eine schnelle und komfortable personalisierte Kommunikation und Abwicklung von Geschäftsprozessen. Die Beschäftigten und Leistungsempfänger erwarten eine entsprechende Interaktion auch im Unternehmensverhältnis, so dass sich die Unternehmensfunktionen diesen Benchmarks stellen müssen. Dies gilt auch für die Dienstleistungen rund um die bAV. Nur dann wird die bAV von den Betroffenen auch als werthaltige Leistung wahrgenommen.[4]
Diese grundlegende Veränderung wurde auch durch eine kürzlich durchgeführte Umfrage von WTW unter bAV-Verantwortlichen bestätigt.[5] Die bAV muss also digitaler, schneller und transparenter werden.
Höhere Ansprüche an die bAV und deren Verwaltung:
- Gestiegene Anforderungen an Service-Umfang und -Qualität
- Benchmark Konsumentenmarkt
- Digitaler, schneller und transparenter

