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Artikel | MARKTspot

MARKTspot 2020 – M&A-Versicherung

Markt bisher unbeeindruckt von der Krise

1. Juli 2020

Der M&A-Versicherungsmarkt wächst seit Jahren stabil und hat sich inzwischen in allen globalen M&A-Märkten etabliert. Die Corona-Krise entschleunigt spürbar das Transaktionsgeschehen, aber am M&A-Versicherungsmarkt sind Risiko-Appetit und Preise bisher stabil.
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Der Markt für M&A-Versicherungen ist nunmehr seit Jahren ein etablierter, wesentlicher und gleichzeitig wachsender Bereich der internationalen Versicherungsindustrie. Auch im deutschsprachigen Raum steigt die Zahl der jährlich platzierten Policen und das gebundene Versicherungskapital stetig. Im Vergleich zu 2018 verzeichnete Willis Towers Watson 2019 in Europa einen Anstieg der abgeschlossenen M&A-Versicherungen um rund 50 Prozent. Das durchschnittlich eingekaufte Versicherungsvolumen lag dabei im europäischen Raum bei zwölf Prozent des Unternehmenswertes (Enterprise Value), in der DACH-Region leicht darüber bei 17 Prozent.

Der M&A-Versicherungsmarkt in der DACH-Region definiert sich vor allem sprachlich – von den rund 30 in Europa vertretenen M&A-Versicherern haben circa ein Drittel deutschsprachige Ressourcen. Technisch gehört dieser aber weitgehend dem weiteren europäischen Markt an. Allerdings ist in der jüngeren Vergangenheit festzustellen, dass sich einige Anbieter von M&A-Versicherungen (klassische Erstversicherer oder Assekuradeure) innerhalb des europäischen Marktes ihre Spezialisierung suchen – sei es auf bestimmte Branchen/Industrien, Deal-Größen oder zum Teil auch auf bestimmte Regionen. Eine stärkere Spezialisierung ist weiterhin auch im Bereich der Versicherung von Steuerrisiken zu verzeichnen.

Die Betrachtung der von Willis Towers Watson erfassten Prämienraten als Prozentsatz des versicherten Limits (Rate on Line) im DACH-Raum zeigt, dass sich die Prämien im Vergleich von 2018 auf 2019 generell auf gleichbleibend niedrigem Niveau gehalten haben. Getrieben ist dieser Trend durch vereinzelt schwerere Risiken im Vorjahresvergleich und gleichzeitig zum Teil weiter fallenden Raten. Die maximale Kapazität des Versicherungsmarktes pro Deal beläuft sich auf rund eine Milliarde Euro.

Warranty-and-Indemnity-Versicherung als Hauptprodukt

In die Sparte M&A-Versicherung fällt vor allem die sogenannte Warranty-and-Indemnity-Versicherung (W&I), die Ansprüche aus im Rahmen von Unternehmenskaufverträgen abgegebenen Garantien versichert – meist beim Käufer als Eigenschadendeckung, aber in vereinzelten Fällen auch beim Verkäufer als Haftpflichtversicherung. Diese W&I-Policen, die Mehrwerte für beide Kaufvertragsparteien schaffen, sind der „Klassiker“ unter den M&A-Versicherungen. 77 Prozent der von Willis Towers Watson platzierten M&A-Versicherungen in Europa waren W&I-Versicherungen – davon 97 Prozent auf Käuferseite.

Neben dieser Versicherung für unbekannte Risiken sind weitere Spezialversicherungsprodukte auf dem Vormarsch, die Versicherungsschutz für bekannte Risiken – vor allem aus den Bereichen Steuern, Rechtsmängel und -streitigkeiten sowie Umwelthaftung – bieten.

Insbesondere in den Bereichen Immobilien (37 Prozent aller von Willis Towers Watson gezeichneten Policen), produzierendes Gewerbe (15 Prozent der Policen), erneuerbare Energien (12 Prozent der Policen) und Technologie (10 Prozent der Policen) war im vergangenen Jahr eine starke Nachfrage nach M&A-Versicherungen zu beobachten. Die Immobilienindustrie verzeichnete dabei im Verhältnis erwartungsgemäß die günstigsten M&A-Prämienraten, da hier versicherungstechnisch das geringste Risiko besteht.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass jede Industrie versicherbar ist – und es ist im Prinzip egal, in welcher Jurisdiktion sich das Zielunternehmen befindet. Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Schwer bis gar nicht versicherbar sind beispielsweise Länder wie Russland oder Nordkorea sowie bestimmte Tätigkeiten, wie die Herstellung von Waffen oder Unternehmen aus „ethisch verwerflichen“ Industrien.

Mehr Kapital und mehr Wettbewerb für 2020 zu erwarten

Auch für 2020 ist ein großer Appetit auf M&A-Versicherungen bei den Assekuranzen, die stetig mehr Kapital in den wachsenden Markt pumpen, zu erwarten. Neben einer steigenden Anzahl an Spezialversicherern – meist Assekuradeure, die schon immer diesen Markt mitgeprägt haben – und auf Vermögensschäden fokussierte Versicherer kommen vereinzelt neue Spieler dazu. Gleichzeitig wachsen die angebotenen Deckungsstrecken pro Anbieter. Dadurch steigt der Wettbewerb weiter an. Obwohl zu vermuten ist, dass das operative Geschäft in der ersten Jahreshälfte aufgrund der anhaltenden Corona-Krise in Teilen wegbricht, gehen wir davon aus, dass die Anzahl der Deals in der zweiten Jahreshälfte wieder voranschreiten wird. Die Situation ist geprägt von der globalen Unsicherheit, die zwar eine Entschleunigung mit kurzzeitig geringerer Nachfrage (aufgrund weniger Transaktionen), allerdings derzeit noch keinen Einbruch zur Folge hat. Die Krise könnte auch zu einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis bei M&A-Akteuren führen, was sich in einem positiven Effekt auf den M&A-Versicherungsmarkt widerspiegeln könnte.


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