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Pressemitteilung

Schweizer Pensionsverpflichtungen profitieren von den höchsten Diskontsätzen seit 2013

WTW Swiss Pension Finance Watch – Q2/2022

14. Juli 2022

Der Willis Towers Watson Pension Index ist im 2. Quartal um weitere 2,5% gestiegen, da die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen in diesem Zeitraum stärker gesunken sind als ihre Vermögenswerte.
Investments|Retirement
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ZÜRICH / LAUSANNE / GENF, 14. Juli 2022 – Der Anstieg der Diskontierungszinsen im Laufe des Jahres 2022 hat dazu geführt, dass die Pensionsverpflichtungen für Unternehmen nach internationalen Rechnungslegungsstandards seit Anfang des Jahres um mehr als 20% auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren gefallen sind. Die Pensionsvermögen sind ebenfalls zurückgegangen, wenn auch nur in geringerem Masse. Dadurch stieg der WTW-Pension Index im 2. Quartal um weitere 2,5 % an. Der Deckungsgrad (d. h. das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen) lag gemäss WTW-Pension Index per 30. Juni 2022 bei 129,7%, gegenüber 127,2% per 31. März 2022.

Niedrigste Verbindlichkeiten seit fast einem Jahrzehnt

Die Anleiherenditen, welche dem Diskontsatz zugrunde liegen, stiegen in diesem Quartal zum zweiten Mal in Folge stark an, was seit Jahresende zu einem weiteren Rückgang der Verbindlichkeiten um mehr als 10 % führte. Die Renditen von Unternehmensanleihen stiegen im Laufe des Quartals um ca. 90 Basispunkte an, was auch dem Anstieg im ersten Quartal entspricht. Obwohl die Pensionsvermögen im Quartal um 8,5 % zurückgingen, konnten die Unternehmensbilanzen entlastet werden dank der Tatsache, dass auch ihre Pensionsverpflichtungen gesunken sind. «Die Diskontierungssätze sind in den letzten fünf bis zehn Jahren langsam, aber stetig gesunken. Die Unternehmensbilanzen wurden in vielen Fällen negativ beeinflusst, weil die Verbindlichkeiten der Unternehmen schneller wuchsen als ihre zugehörigen Vermögenswerte. Spätestens seit Beginn der ersten Hälfte dieses Jahres hat sich diese Situation drastisch gewandelt», kommentiert Adam Casey, Leiter Corporate Retirement Consulting bei WTW in Zürich.

Die Diskontierungssätze sind in den letzten fünf bis zehn Jahren langsam, aber stetig gesunken.”

Adam Casey | Head of Corporate Retirement Consulting, Schweiz

Pensionskassen investierten in der Erwartung, dass Anleiherenditen erneut ansteigen

Wenn Anleiherenditen allgemein steigen, sinkt der Wert von bereits gehaltenen Anleihen - und vice versa. Pensionskassen halten in Teilen Anleihen, die eine ähnliche Duration haben wie ihre Verbindlichkeiten, wobei dieser Aktiv-Passiv-Match einen natürlichen Hedge darstellt. In einer Zeit tiefer Anleiherenditen entschieden sich viele Pensionskassen, ihre Investitionen in längerfristige Anleihen zu reduzieren und kurzfristigen Anleihen, Immobilien und alternativen Anlagen den Vorzug zu geben. Der Grund hierfür war vermutlich Vermögensverluste zu verringern, wenn Anleiherenditen wieder ansteigen und der Wert des Anleiheportfolios sinkt.

Adam Casey erläutert hierzu folgendes: «Man hat den Eindruck, dass viele Pensionskassen in der Erwartung investiert haben, dass die Anleiherenditen wieder steigen. Ihre Entscheidung, sich von Investitionen in längerfristige Anleihen zu verabschieden, hat sich nun endlich ausgezahlt. Aber war es das wert? Oder was vielleicht noch wichtiger ist: Wie sollten sie ihre Portfolios im neuen Marktumfeld anlegen?»

Globale Risiken erfordern ein Umdenken bei Anlagestrategien

Die Resilienz der Pensionskassenportfolios gerät immer stärker unter Druck. Die globalen Märkte leiden weiterhin unter Verlusten, die insbesondere durch den Ukraine-Krieg und die sich kumulierenden Probleme für das Wirtschaftswachstum in einem Umfeld steigender Inflation verursacht werden. Gemäss dem Pictet 2005 BVG-40 Plus Index lag die durchschnittliche Rendite einer Schweizer Pensionskasse im zweiten Quartal 2022 bei -8,5 %, was einer Jahresrendite von -13,3 % entspricht. Jedoch reagierten die meisten Schweizer Pensionskassen auf diese Entwicklung bislang eher zurückhaltend.

Nach 15 Jahren expansiver Geldpolitik, welche dazu führte, dass die realen Zinssätze unter 0 % fielen, steigt die Inflationsrate seit einigen Monaten wieder an. Gleichwohl ist sie in der Schweiz dank der Stärke des Schweizer Frankens im Juni mit 3,4 % deutlich tiefer als in den USA und Europa, wo sie bis zu 8 % beträgt. Steigende Inflation wird assoziiert mit Kaufkraftverlust sowie mit Verlusten bei zahlreichen Investitionen. Daher sollten Pensionskassen bei der Überprüfung ihrer Anlagestrategien vor allem deren Krisenresistenz gegenüber der Auswirkungen der Inflation im Auge haben.

Höhere Zinsen in Verbindung mit Rezessionsängsten führten gleichzeitig zu Verlusten bei Anleihen und Aktien.”

Adam Casey |Head of Corporate Retirement Consulting, Switzerland

Die Überprüfung dieser Anlagestrategien kann recht komplex sein, wie Alexandra Tischendorf, Leiterin Investmentbei WTW in Zürich, darlegt: «Die Auswirkungen der Inflation auf Sachwerte sind nicht immer leicht vorherzusehen. Der Preis dieser Sachwerte kann je nach Höhe der Inflation steigen oder fallen. Daher ist der Inflationsschutz nur begrenzt, denn steigende Werte gehen auch mit einer deutlich höheren Volatilität einher. Die derzeitigen Turbulenzen spiegeln diese Lage wider: Höhere Zinsen in Verbindung mit Rezessionsängsten führten gleichzeitig zu Verlusten bei Anleihen und Aktien.»

Ein langfristiger Anlagehorizont ist entscheidend

Trotz der Herausforderungen, die das aktuelle Umfeld bereithält, ist es wichtig, dass die Stiftungsräte der Pensionskassen nicht den langfristigen Anlagehorizont und ihre Ziele aus den Augen verlieren. «Die Stiftungsräte der Pensionskassen müssen sich weiterhin auf eine langfristige, nachhaltige Ausrichtung ihrer Anlagestrategien konzentrieren. Dazu gehören Aspekte wie die Diversifizierung von Risikoprämien, die Berücksichtigung nachhaltiger Anlageprinzipien sowie eine Verbesserung des Risikomanagements und der Governance», rät Alexandra Tischendorf.

Hintergrundinformationen zur Studie

Der Swiss Pension Finance Watch untersucht vierteljährlich die Auswirkungen der Kapitalmarktentwicklungen auf die Finanzierung von Vorsorgeplänen in der Schweiz. Diese Studie ist ein Teil des von WTW publizierten Global Pension Finance Watch, in welchem alle Ergebnisse der wichtigsten Rentenmärkte ab dem Jahr 2000 enthalten sind. Die Studienergebnisse werden vierteljährlich veröffentlicht. Ihr Schwerpunkt liegt auf Anlagevermögen und Verpflichtungen. Die Studie umfasst Vorsorgepläne in Brasilien, Kanada, der Euro-Zone, Japan, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den USA.

Die Auswirkungen der Kapitalmärkte auf diese Vorsorgepläne betreffen zwei Bereiche:

  • Die Auswirkungen der Anlageperformance auf das Planvermögen
  • Die Auswirkungen von wirtschaftlichen Annahmen auf die Pensionsverpflichtungen (gemäss International Accounting Standards)

Dem Modell von WTW liegt ein Benchmark-Pensionsplan zugrunde, der die Pensionsverpflichtungen und das Planvermögen (inkl. Vermögensmix) darstellt, die typischerweise im jeweils betrachteten Pensionsmarkt vorkommen. Anhand der Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf das Vermögen und die Verpflichtungen wird ein Pension Index erstellt. Dieser bildet die Veränderungen im Ausfinanzierungsgrad des Benchmark-Pensionsplans ab.

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